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Rezensionen »» 2002 PopulärDruckoptimierte VersionSchicke diese Kritik an einen Freund
 Bewertung: 10 von 10Geschrieben von Ecki Stieg (358 x gelesen)  

Artist: Irma Victoria
Titel: Memorial: Finest Moments And Famous Last Words
Label: Panoptikon
Format: mp3
Datum: 2001
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 Irma Victoria - "Memorial: Finest Moments And Famous Last Words" (Panoptikon)

Dies ist vielleicht eines der merkwürdigsten Alben des Jahres 2001.

Und es war bislang unmöglich, sein bizarres Flair, seinen morbiden Charme und seine entwaffnende, geradezu beschämende Emotionalität zu toppen.

Irma Victoria war eine dänische "Chanteuse" (und hier ist der Begriff einmal wirklich angemessen!).
Geboren am 2. September 1923 wurde sie erst im relativ hohen Alter von 66 Jahren von dem dänischen Musiker und Multitalent Martin Hall entdeckt.
Der von ihr intonierte Song "Memorial" für sein 89er "Hall Of Mirrors"-Album wurde rasch zum Kult-Klassiker: Die zerbrochene, nuschelnde Nicht-Stimme der betagten Dame und ihre atonale, dennoch Intimität, Verletztheit und desolaten Nihilismus ausstrahlende Interpretation stand schon damals im krassen, aber sinngebenden Gegensatz zu den melancholischen, melodisch wunderschönen, fast süßlichen Kompositionen Martin Halls und erzeugte eine einzigartige Atmosphäre.

Oberflächlich konsumiert, waren Irma Victorias Litaneien zunächst nicht mehr als ein Novelty-Gag, waren das, was die Briten so gerne als "camp" bezeichnen (eigentlich unmöglich zu übersetzen, bedeutet es doch, dass etwas so scheußlich und schrill ist, dass es wiederum Stil und Qualität besitzt, doch das trifft es nur ansatzweise, denn mit "bad taste" hat dies alles nichts zu tun...)

Wer seinerzeit die Mühe nicht scheute, sich mit Irma Victoria's Alben "The Rainbow Theatre" (1990, mit dem sie gar für den dänischen Grammy in der Kategorie "beste weibliche Sängerin" nominiert wurde) und "Phantasmagoria" (1994) intensiver auseinander zu setzen und hinter die Kulisse dieses alternden Freaks zu blicken, wurde von der zu Tränen rührenden Traurigkeit und den mit brüchiger Stimme rezitierten Litaneien von verlorenen Träumen und Welten zwangsläufig gefangen genommen:

"I don't see no stairway to heaven
I don't see no end in the sky
I don't see no reason for living
I don't see no reason to die"

Diese Zeilen aus dem Song "Everything Is An Illusion" stehen repräsentativ für alle Texte von Irma Victoria, die nicht den geringsten Hoffnungsschimmer aufkommen lassen.

Hier gibt es kein Licht, nur Schatten und Untiefen, nur Trauer und Resignation; kein noch so kleines Aufbäumen, Wut oder Kampf ist spürbar.
Alles ist gesagt, alles ist erlitten.
Kein Bedauern. Keine Aussicht. Aber auch kein falsches Pathos oder gar Selbstmitleid.

Die Schönheit des Schmerzes und der inneren Leere bleibt die einzig gültige ästhetische Norm, doch auch sie kann nur noch bedingt motivieren.

Fatalismus mit Seele und großem, verletzten Gefühl.

Irma Victoria starb am 10. November 2000 im Alter von 77 Jahren - und es ist einmal mehr das Verdienst von Martin Hall, sie posthum unsterblich zu machen: Er sondierte ihr Vermächtnis und verewigte es auf dem nun vorliegenden Album "Memorial".

"Memorial" enthält die Highlights ihrer beiden regulären Alben mit zahlreichen, teilweise makaber wirkenden Interludien, die in diesem Kontext dennoch gerechtfertigt sind: Die Titel "Expo 1- 6" sind Tonbandprotokolle mit verbalisierten Skizzen zukünftiger Projekte, die Irma Victoria kurz vor ihrem Tod auf ihrem Sterbebett im Krankenhaus aufnahm.

Martin Hall hat mit sicherer Hand die wirklichen Höhepunkte gewählt: Unerreicht ist immer noch Irma Victoria's Version von Weill's "September Song", das atemberaubende "The Beauty Of Emptiness" und das zu lasziven Swinghymnen geraunte "The Voices Of The Dead", das in der Tat aus dem Grab zu kommen scheint, zudem auch ein wenig morbiden Galgenhumor erahnen lässt...

Daneben Obskures zuhauf (als wenn das reguläre Werk der Dame nicht schon merkwürdig genug wäre!): "Angels And Devils" ist ein makabres Trinklied, das auch von Agnes Bernelle stammen könnte; "Itsi-Bitsi" dagegen ein verlorenes, auseinanderfallendes Synthi-Gedaddel.

Mit "Tears And Morphine" gibt es eine gar noch düstere Version des von "Phantasmagoria" bekannten "Tears In The Rain" und mit "Memorial" und "Palladium" werden auch endlich die frühen Aufnahmen einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Parallelen oder gar Epigonen gibt es auch ein Jahr nach Irma Victoria's Tod keine - und wird es auch so schnell nicht geben.

Doch wer der falschen Gefühle, Schmerzen und Masken im temporären Gothic-Geschehen überdrüssig geworden ist, empfehle ich, sich diesem Werk zaghaft, dennoch mutig zu nähern und seine kaputte, unsterbliche Schönheit zu entdecken.


"There is nothing more to say
All our words have flown away
There are no more tears to cry
Now it's time to say goodbye

The price of existence is eternal warfare"

("The Beauty Of Emptyness")



Das Album ist jetzt exklusiv und nur bei uns zum Download in unserem Shop erhältlich!!

Ebenfalls dort zu bekommen: Das Album Phantasmagoria

 
 DAC



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