Insekt - "Teenmachine"

Dependent CD/mp3 2006

Datum 15.06.2006 - 17:53

Es war mir schon in den 90er Jahren ein Rätsel, warum Bono Vox von U2 ausgerechnet Insekt zu seiner Lieblings-Industrial-Band (ja, so nannte man das damals noch!) auserkor und dies auch noch aller Welt kund tat. Ein Statement, das seinerzeit auf kaum in einem Interview oder Info-Blatt zu Insekt vergessen wurde. Ob es Insekt je etwas genützt hat, bleibt ein Rätsel. Fakt ist, dass die Band um Eric Van Wonterghem und Mario Vaerewijck Anfang der 90er Jahre eigentlich schon zur zweiten Generation des belgischen EBM gehörte, sich aber aus Mitgliedern bereits legendärer Formationen wie The Klinik und Vomito Negro rekrutierte. Die frühen Werke „Dreamscape“ und „Stress“ wurden eigentlich erst retrospektiv gewürdigt, als sich Eric Van Wonterghem bereits mit Projekten wie Blok 57, Sonar oder Monolith einen Namen machen konnte. So gesehen kommt die Insekt-Reunion zwar überraschend, macht aber dennoch Sinn, ist das Renommee der Band heute doch größer denn je. Mit dem ursprünglichen Insekt-Sound hat „Teenmachine“ dennoch wenig zu tun. Zwar haben van Wonterghem und Vaerewijck mit ihren anderen Projekten den Pfad der reinen, harten Elektronik selten verlassen, aber vielleicht ist gerade dies der Grund, dass es „Teenmachine“ an Identität mangelt. Deutlicher gesagt: Es fehlt das Quäntchen Individualität, das das Duo 2006 von ihren zahllosen Epigonen, aber auch von ihren eigenen anderen Projekten unterscheiden muss, es fehlt die harsche, stringente, komprimierte, dennoch stets transparente Härte, die auch späte Insekt-Alben wie „In The Eye“ ausgezeichnet haben. Dabei hat „Teenmachine“ durchaus versteckte Stärken. Das Cover des Albums charakterisiert die heutige Attitüde der Band recht treffend: “Teenmachine“ ein verdichtender Comic, der die Qualitäten des alten belgischen EBM mit allerlei temporären Zitaten anreichert, ohne je die Facon zu verlieren oder die wahren Werte zu verleugnen. Da darf bei „Pain Inside“ schon einmal in Nine Inch Nails-Territorium gewildert oder in „Isolated“ mehr als dreist bei Foetus zitiert werden („Say What You Mean But Say It Mean“) – van Wonterghem und Vaerewijck betreiben diesen Job schon zu lange, als dass sie nicht wüssten, welche Zutaten das Gericht benötigt. Seine Hitqualitäten entwickelt das Album allerdings erst zum Ende hin, wenn sich die Band in Tracks wie dem oberflächlich etwas antiquiert wirkenden „Push The Needle“ ihren sehr frühen Wurzeln doch noch endlich öffnet oder mit dem Gassenhauer „Bambifucker“ sogar die Brücke zum momentan immer noch extrem angesagten Hauruck-EBM a la Funker Vogt (die bezeichnender Weise auch einen Remix dieses Stück abgeliefert haben!) oder dem plakativen Uptempo-Techno a la And One schlägt. Mit Erfolg: Das Album führt die DAC an – das Comeback scheint gelungen. Ob es Insekt schaffen, einstige Charakteristika in Zukunft stärker herauszuarbeiten, bleibt abzuwarten. Wünschenswert wäre es… [img]http://www.grenzwellen.com/gw_redaktion/uploads/img40a9ef6b9a823.gif[/img] [b]Das Album zum Download in unserem [url=http://www.grenzwellen.com/shop/product_info.php?products_id=5664]Shop[/url][/b]



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