Carlos Perón - "La Salle Blanche"

10.000 Zippers mp3 1994

Datum 23.10.2006 - 09:38

Neben den französischen Die Form war der Ex-Yello Musiker Carlos Perón bereits in den 80er Jahren einer der ersten elektronischen Musiker, der die Fetisch- und S/M-Thematik in den Mittelpunkt seiner Werke stellte. Nach zahlreichen experimentelleren Werken erschien mit „La Salle Blanche“ 1994 ein bewusst weicheres, verführerisch dunkel-samtiges Oeuvre, das sowohl in der Fetisch- und Darkwave-Szene, als auch darüber hinaus zum Klassiker wurde: Inspiriert durch den gleichnamigen Fetisch-Film kreierte Perón in Auftragsarbeit einen knapp 40minütigen Soundtrack, dessen laszive Schlüpfrigkeit (vor allem projiziert durch die französischen Texte von Tina Duvoisin) in einen sich stetig steigernden, dennoch repetitiven, pulsierenden Klangteppich eingewoben wurde. Der teilweise an Michael Cretu und Enigma gemahnende Schönklang und subtil integrierte gregorianische Gesänge standen dabei im reizvollen Kontrast zur Thematik, verliehen dem Werk letztendlich aber auch die nötige Mystik und Bildlichkeit. „La Salle Blanche“ entwickelte sich in kürzester Zeit vom Geheimtipp zu Klassiker, das Konzept wurde oft kopiert (nicht zuletzt von Perón selbst), ohne dass der zwingende Charakter und die Atmosphäre dieses Ausnahmewerkes je wieder erreicht wurde. ___________________________________________________________ Interview mit Carlos Perón zu „La Salle Blanche“ Wie kam es zu dem Album? Carlos Perón: „Ich war für das Fetisch-Magazin "O" tätig. Da ich von der Redaktion dieses Magazins um den Fetisch-Macher Peter W. Czernich sehr angetan war, kam es eines Tages zur Sprache, ob ich nicht Lust hätte, einen so genannten ‚Fetisch-Mix’ zu machen. Dazu wurden mir Bilder aus dem Fetisch-Film ‚The White Room’ vorgeführt. Der Film war ohne Musik und bestand nur aus Worten und Latex-Geräuschen. Mit diesem Film im Kopf ging ich an die Arbeit.“ In wieweit waren die Bilder des Video Inspiration? Carlos Perón: „ Was mich sehr inspirierte war die Ruhe in den Bildern. Die Rituale wurden wie in Zeitlupe ausgeführt. Letzten Endes waren es aber die überaus hübschen, eingummierten Models, welche mich zu ‚La Salle Blanche’ inspirierten.“ Im Gegensatz zu vielen anderen, sehr experimentellen Werken, ist "La Salle Blanche" trotz seiner Länge nicht nur sehr verführerisch, sondern auch sehr zugänglich. Parallelen zu den zeitgleich erfolgreichen Enigma kommen in den Sinn. War dies die Intension? Carlos Perón: „Eigentlich nein. Ich hatte den Auftrag, einen ‚Fetisch-Mix’ zu machen. Aber was ist das? Ich ging sehr intuitiv vor. Eine kleine Grundlage war das Stück ‚Blue Green’, das ich seinerzeit mit Boris Blank von Yello auch für eine Erotikfirma produzierte. Wir benutzen schon lange vor Enigma bereits Ende der 70er Jahre gregorianische Einflüsse.“ Das Album wurde der Legende nach zuerst nur in gehobenen Bordellen und Domina Studios verkauft und kam erst später in den normalen Handel. Was ist an der Geschichte dran? Carlos Perón: „ Das ist wirklich wahr. Für den damaligen Vertrieb war das Cover zu gewagt, auch viele Kaufhäuser zierten sich. Das hat sich erledigt, als die Kundschaft die Läden stürmte und einfach nach dieser CD verlangte. Wenn ich heute bei Fetisch Parties auftrete, kommen zahlreiche Leute und erzählen mir ihre eigene Geschichte, wie sie zu ‚La Salle Blanche’ gekommen sind. Das Stück ist für viele Leute zum Liebes- und Lebensinhalt geworden.“ "La Salle Blanche" war ja nur der erste Teil einer ganzen Reihe nachfolgender "Salles". Wie würdest Du die Philosophie hinter diesem fortwährenden Projekt beschreiben? Carlos Perón: „ ‚La Salle Blanche’ ermutigte mich weitere Säle zu schreiben und zu produzieren, es gibt ja Rouge, [url=http://www.grenzwellen.com/shop/product_info.php?cPath=16_59&products_id=4405]Violette[/url] und [url=http://www.grenzwellen.com/shop/product_info.php?cPath=16_59&products_id=4407]Noir[/url]. Die Philosophie entspricht den Farben. Blanche ist hell und klinisch, Noir düster und unheilsschwanger, Rouge ist ein altes Plüsch-Bordell und Violette ist eine Mädchen- Ballettschule. Die Farbe ist das Thema.“ [img]http://www.grenzwellen.com/gw_redaktion/uploads/img40a9ef8458de0.gif[/img] [b]Dieses Album zum Download in unserem [url=http://www.grenzwellen.com/shop/product_info.php?cPath=16_59&products_id=134]Shop[/url][/b]



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