Steril - "Realism"

Endless mp 3 2006

Datum 25.10.2006 - 11:45

Der Spagat zwischen Anspruch und Realität. Ohne Zweifel zählten Steril in den 90er Jahren zu den Bands, die der EBM in seiner Urform ohne Scheuklappen begegnet ist und sie auch dementsprechend rezipiert haben. Allein ihr beeindruckender [url=http://www.grenzwellen.com/shop/liste.php?cPath=19_234]Backkatalog[/url] demonstriert, wie gekonnt Steril auf temporäre Stile reagiert haben, ohne sich in ihren Grundfesten erschüttern zu lassen. Ihre allgemein geäußerte Skepsis gegenüber der Verkümmerung des EBM-Genres, des Herausgreifens nur noch einzelner, verkaufsträchtiger Elemente und des allgemeinen Verlustes der Farbigkeit und Vielfältigkeit ist zwar berechtigte und hehre Kritik, doch angesichts des aktuellen Werkes „Realism“ stellt sich dennoch die Frage, inwieweit EBM 2006 überhaupt noch innovative Elemente beinhalten kann, ohne per se einer der vielfältigen Sub-Schubladen zugeordnet zu werden. Ohne Zweifel ist „Realism“ ein grundsolides Werk mit perfekten, überlegten Songs, dennoch sind selbst die exaltierten und gewagten Ideen innerhalb des Genres mittlerweile zum kopierten Standard verkommen, so dass wirkliche Neuerungen und Überraschungen allein aus historischen und technologischen Gründen kaum mehr möglich sind. Die „EBM-Grundwerte“, die Steril bei der Produktion von „Realism“ im Hinterkopf hatten, hätten auch von einem Newcomer mit offnem Geist ebenso veräußert werden können, denn wirkliche Historie ist nicht spürbar. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sich Steril nach ihren letzten stilistischen Exkursionen wieder auf ihre Wurzeln konzentriert und auf temporärer Firlefanz dementsprechend verzichtet haben. Dieses Paradoxon funktioniert in dem Sinne, als dass „Realism“ zu einem sehr homogenen, schlüssigen Album geraten ist, wenngleich man sich die Frage stellen muss, warum ausgerechnet das Aushängeschild „Statik“ über die Maßen an den ausgelutschten VNV-Nation-Remix von Das Ich’s „Destillat“ gemahnt… Die Allgegenwärtigkeit identischer Sounds, Strukturen und letztendlich auch Emotionen erschweren somit den Zugang zu der Seele und zu der zweifellos vorhandenen Individualität der Band. So bleibt „Realism“ ein angenehmes Comeback ohne wirkliche Überraschungen, aber auch ohne verkrusteten Anachronismus oder Wehmut. Und das ist auch schon eine ganze Menge… [img]http://www.grenzwellen.com/gw_redaktion/uploads/img40a9ef6b9a823.gif[/img] [b]Das Album zum Download in unserem [url=http://www.grenzwellen.com/shop/product_info.php?products_id=6799]Shop[/url][/b]



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