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Interviews : And One Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 05.03.1997 17:05 (3610 x gelesen)

And One



Seit der Veröffentlichung des Albums "IST" sind mehr als 3 Jahre vergangen.
In diesen drei Jahren haben AND ONE fast alle Höhen und Tiefen durchgemacht, die eine Band durchmachen kann: Trennung von ihrer Plattenfirma mit einem an Finanzen und Kräften zehrenden Rechtsstreit, die schwere Krankheit des Bandmitglieds Rick Schah, ein mehr oder weniger unfreiwilliger Ortswechsel - auf der anderen Seite aber auch wieder ein Hoffnungsschimmer: AND ONE sind mittlerweile bei der großen Plattenfirma Virgin unter Vertrag gekommen und können nun wieder voll durchstarten.



Nach der Vorabsingle "Sometimes" ist jetzt das dazugehörige Album "Nordhausen" erschienen - und wie immer bei AND ONE ist auch dieses Werk eine Art Tagebuch, ein Spiegel der Ereignisse und des Innenlebens von Sänger und AND ONE- Mastermind Steve Naghavi.

Auf "IST" verarbeitete Steve noch eine schwere Beziehungskrise, "Nordhausen" strahlt dagegen mehr Zuversicht und innere Ruhe aus . Ist "Nordhausen" der neue Ruhepol - das Ziel einer längeren Reise?

Steve:

Teilweise ja. 'Nordhausen' ist ja auch in Nordhausen geschrieben worden. Die kleinen Schicksalsschläge bleiben nie aus, aber sie waren längst nicht so krass wie bei der letzten LP. 'Nordhausen' ist aber eher auf Ricks Schicksalsmist gewachsen, denn er ist sehr herzkrank. Er musste in Nordhausen in eine Privatklinik. Das hätte für uns die logische Konsequenz gehabt, dass Rick nicht am Album hätte teilnehmen können. So haben Joke und ich uns in Nordhausen eine Wohnung gesucht und dort auch unser Studio aufgebaut. Rick musste nicht die ganze Zeit im Krankenhaus bleiben, aber er musste zur Beobachtung immer in Nordhausen sein. So war er auch "halbherzig" im Studio. Und das hat die Band extrem gekittet. Joke wohnt jetzt wieder in Berlin, doch ich bin in der Nähe von Nordhausen hängen geblieben.

Das Album 'Nordhausen' dokumentiert ebenso wie die 'IST' Höhen und Tiefen - doch die Krisen waren diesmal anderer Natur. Wir hatten mit Gerichtsprozessen zu kämpfen. Unsere alte Plattenfirma 'Machinery' ist zusammengebrochen - und die Mutterfirma hat versucht uns zu erpressen und hat ungehörtes Material einfach abgelehnt!

So kam es auch zu der langen Zwangspause. Dieser ganze Prozess hat uns eine Menge Zeit, Geld und Nerven gekostet; wir haben uns verschuldet, um die Gerichtskosten zu bezahlen. Das zerrt natürlich an der Kreativität und man bekommt Existenzängste. Und man macht Stücke - und weiß gar nicht für wen!"



Bereits vor anderthalb Jahren sind AND ONE von der sprudelnden Metropole Berlin in das provinzielle, verschlafene Nordhausen umgezogen. In wieweit hat das ihre Arbeitsweise beeinflusst?! Das Album "Nordhausen" wirkt sehr konzentriert...!

Steve:

"Man arbeitet extrem konzentriert und mit Liebe zum Detail. Man ist tatsächlich nicht abgelenkt - so wie in Berlin. In Nordhausen beschränkt sich das Leben auf die wesentlichen Dinge: Essen, Schlafen, Fernsehgucken, Ficken und Musikmachen. Und mit dem Musikmachen habe ich mich tatsächlich am meisten aufgehalten.

Und als der Deal mit der Firma Virgin geklappt hat, da hat die Arbeit dann auch wieder richtig Spaß gemacht. 'Sweety Sweety' war mein erstes "Baby" nach dem Virgin-Deal; ich war so mega-happy, dass ich diesen Schwachsinnssong geschrieben habe. Inhaltlich ist er wirklich Schrott, doch das Gefühl und die Atmosphäre illustriert schon sehr gut das Ende dieser langen Stressphase!"



Die Songs von "Nordhausen" wirken sehr komprimiert, exakt auf den Punkt. Sie sind alle sehr kurz, fast jeder ist auch eine potentielle Single.....


Steve:

"Ich habe gemerkt, dass mich einige Passagen in vielen alten Songs doch ganz schön gelangweilt haben, vor allen Dingen die Rhythmuspassagen. Welche Songs mir immer noch gefallen, sind die sehr kompakten Stücke, die sich nicht lange an Details aufgehalten haben. Das war ein ganz bewusstes Ziel, das ich mir vor der Produktion gesetzt habe: Das Album muss kompakter werden und muss schnell auf den Punkt kommen!"



"Nordhausen" ist weitaus poppiger geworden als die vorangegangenen Alben.. Härtere Sequenzertracks wie "Die Deutschmaschine" sind darauf kaum mehr zu finden. Und "Nordhausen" klingt zudem sehr optimistisch....!


Steve:

"Die verschiedenen Ereignisse verändern auch die Persönlichkeit eines Menschen. Früher war es so, dass meine Wut direkt in die Musik eingeflossen ist. Doch mein Typ hat sich da geringfügig geändert. Heute ist es so, dass ich oft gar keine Musik machen kann, wenn ich wütend bin. Ich versuche heute, das Problem zu lösen. Und das kann ich nicht im Studio! Ich kann erst wieder an die Musik herangehen, wenn alles Negative verarbeitet ist. Das gilt allerdings nicht für die nachdenklichen und melancholischen Momente. Da ziehe ich mich erst recht ins Studio zurück.

Ausnahme ist der Song 'Sitata Tirulala'. Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an eine ganz bestimmte Person. Da hatte ich das Gefühl, das einfach machen zu müssen! Das Fass war übergelaufen - und derjenige war einfach fällig!"

Neben Wolfsheim sind AND ONE eine der wenigen deutschsprachigen Bands, die mit der deutschen Sprache ohne Peinlichkeiten und unprätentiös umzugehen wissen. Das gilt vor allem für die romantischen, textlich sehr bildlichen Balladen. Die Wortwahl ist sehr expressiv und pathetisch, immer hart am Kitsch und Klischee, doch die Songs kippen nie ins Lächerliche. Steve Naghavi, der als Exil-Iraner erst spät die deutsche Sprache erlernte, geht denn auch ungezwungener mit ihr um....! Wie z.B. im Titelstück "Nordhausen"


Steve:

"Die deutsche Sprache ist für mich eine angelernte Sprache. Ich habe ja bis zu meinem 6. Lebensjahr nur iranisch gesprochen. Erst in der Vorklasse habe ich angefangen, deutsch zu lernen. Und da entdeckt man schon die Schönheit der Worte.

Doch mit 'Nordhausen' verhält es sich noch etwas anders. Es ist keine Studioaufnahme, das Stück ist für die CD direkt vom Tape runtergezogen worden. Diesen Song habe ich allein für Rick geschrieben, als er in Nordhausen im Krankenhaus lag. Ich wollte ihn damit etwas aufmuntern, denn die ersten anderthalb Monate lag er durchgehend im Krankenhaus und hat von der Schönheit der Stadt kaum etwas mitbekommen.

Dieser Song hat uns letztendlich auch sehr verbunden - und es war Ricks Idee, ihn mit auf das Album zu nehmen. Wir haben ihn dann auch so gelassen, wie er ist - eine Demoaufnahme....!"



AND ONE sind nicht gerade bekannt dafür, Stücke anderer Musiker zu interpretieren. Doch auf "Nordhausen" ist eine Cover-Version zu finden, die in ihrer Poppigkeit etwas an den kleinen AND ONE-Hit "Driving With My Darling" erinnert und sich perfekt in den Kontext des restlichen Albums einfügt: "Movie Star" - der erste und größte Hit von Harpo...!

Steve:

"Ich muss sagen, dass ich Cover-Versionen gegenüber nie abgeneigt war. doch ich habe nie andere Stücke angepackt, weil ich meinen eignen Anspruch bei anderen Bands kannte. Ich habe immer vorausgesetzt, dass eine Cover-Version nicht einfach nachgespielt, sondern eine Neuinterpretation sein muss!

Und da habe ich sehr hohe Maßstäbe und mich aus diesem Grund nie getraut, eine Cover-Version zu machen.

Doch bei 'Moviestar' war ich schon dabei, ohne es zu merken. Ich habe die Melodie gespielt - und plötzlich gemerkt, dass es die Melodie von 'Moviestar' war! Ich habe dann nur sehr kurz darüber nachgedacht und einfach weitergemacht. Meine Angst war, daß ich eine musikalische Entwicklung unterbreche, bevor das Ei überhaupt gelegt ist. 'Moviestar' war darüber hinaus einer der ersten Songs, die ich damals mit 7 Jahren gehört und auf meinem ersten Cassettenrekorder aufgenommen habe."

Trotz der Tatsache, dass sich "Moviestar" wie die offensichtliche Singleauskopplung anhört, wird dieses Stück nicht als Single veröffentlicht werden.

Neben den sehr fröhlichen Stücken wie "Moviestar" oder "Sweety Sweety" enthält "Nordhausen" auch einige bitter-süße Songs, wie z.B. "Uns geht's gut", das - kennt man die Geschichte hinter "Nordhausen" - wie eine leicht ironische Durchhalteparole klingt...!


Steve:

"Bingo! Genau so war es gedacht! Es geht darin um das Parallelspiel zwischen der "Apollo 13"-Geschichte und unserer damaligen Situation! Auch wir hatten zum Schluß weniger Wut und Melancholie verspürt, sondern der Welt nur noch den Mittelfinger gezeigt! Wir wollten damit sagen: Ihr kriegt uns nicht, wir machen weiter."



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