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Interviews : Massiv In Mensch Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 01.01.2002 19:17 (3353 x gelesen)



Massiv In Mensch


Interview zum Album "Die Rein" mit Daniel Logemann




Im Vergleich zu "Belastendes Material" ist "Die Rein" ein ebenso großer, wie konsequenter und mutiger Schritt. Wer Euch bislang für eine klassische EBM-Band der dritten Generation hielt, wird umdenken müssen. Dabei ist Euch die Beschäftigung mit technoiden Klängen aus der Vergangenheit ja nicht fremd...

Daniel Logemann: "In der Tat! Wir haben 5 Jahre lang diese Art der Musik produziert und sind damit niemals an die Öffentlichkeit gegangen. Einen Hang zu Techno und Trance hatten wir schon immer. Ich persönlich finde auch, dass man diese Anleihen auf 'Belastendes Material' durchaus hört. Ich war deshalb auch sehr überrascht, als die - vorwiegend deutschen - Kritiker uns als 'altbackenen EBM' abkanzelten. Nimm z.B. das Playback zu 'Offensivschock'. Es würde wunderbar auf 'Die Rein' passen...
Die Konsequenz des neuen Albums rührt vielleicht auch daher, dass wir uns mit dem vorliegenden Produkt noch prägnanter definieren wollen. Außer der Tatsache, dass wir verzerrt männlichen und anheimelnden weiblichen Gesang eingebunden haben, verbindet uns z.B. kaum etwas mit Bands wie z.B. L'Âme Immortelle. Die interessantesten Vergleiche kamen komischerweise aus den USA, wo man uns mit Blümchen oder der Musik der Love Parade assoziierte, was natürlich nicht unbedingt richtig ist... !"

Ist EBM tot?

Daniel Logemann: "Als ich Anfang der 90er anfing EBM zu hören, prägten mich, neben Stumpff und Some More Crime, natürlich auch Bands wie Clock DVA, Mentallo & The Fixer, Front Line Assembly und andere. Fakt ist, dass die meisten dieser Interpreten heute entweder keine Musik mehr produzieren, die Produkte im Wust der Veröffentlichungen untergehen oder der Stil sich völlig verändert hat. Bands wie Covenant, Apoptygma Berzerk oder And One, die zum Teil auch recht EBM-lastig anfingen, produzieren heute seichten Pop, bzw. Weiberelectro.
Es gibt natürlich eine immens hohe Veröffentlichungsrate von kleineren EBM-Bands, die der alten Zeit nachtrauern, aber durchsetzungsfähig ist diese Musik schon lange nicht mehr. Der Erfolg von Hocico wundert mich auch deshalb umso mehr. Alles in allem ist der klassische EBM für mich schon tot. Ich persönlich höre die alten Sachen immer noch gern, doch wenn man sich den aktuellen Musikmarkt anschaut , fand der Abgesang dieser Musikrichtung schon vor ein paar Jahren statt."

Da ihr schon des öfteren superbe Vorbilder wie Some More Crime oder Tommi Stumpff zitiert habt, überrascht "Die Rein" letztendlich nicht wirklich. Vor allem die Parallelen zu den frühen Some More Crime kommen heute deutlicher zum Vorschein. Und war "Belastendes Material" ein Pendant zu Stumpffs "Ultra", so ist "Die Rein" das Gegenstück zu Stumpffs "Trivial Schock". Ich weiß, ein plakativer Vergleich, dennoch eine Parallele, die ihr nachvollziehen mögt?

Daniel Logemann: " 'Trivial Schock' war schon damals unser absolutes Lieblingsalbum. Ein Song wie 'TV Ritual' könnte in seiner ganzen Machart definitiv von uns sein. Technoide Melodien, bizarr-humorvolle Sprachsamples und eine überschaubare Struktur. Diese Symbiose haben wir ohne Zweifel mit in unsere Musik übernommen. Es ist unser Ziel, diese Ideen von damals anzureichern, musikalisch neu zu unterfüttern."

Das Faszinierende an "Die Rein" ist, dass es einer Tradition verpflichtet ist, die von den ursprünglichen Protagonisten nie weiterverfolgt wurde: Die Entwicklung von EBM hin zu technoiden Strukturen und Formen, allerdings ohne die reine Funktionalität in Auge und Ohr zu haben. Will sagen: "Die Rein" mutet an wie früher 90er Techno, allerdings unter Fortführung der technischen Mitteln, so wie sie heute kaum mehr jemand verwendet....

Daniel Logemann:"Ganz klar. Das war schon immer unser Ziel. Wir machen im Prinzip da weiter, wo unsere Vorbilder aufgehört haben. Ich erinnere mich mit Vergnügen an die letzten technoiden Auswüchse des Herrn Stumpff wie 'Brettermeier, die Pottsau' oder 'Techno Dosen'. Auch wenn es da rein textlich natürlich derb und humorvoll zuging, so war die Basis genau das, wo wir auch hin wollten. Unsere Arbeitsweise ist im Laufe der Jahre moderner geworden. Auf 'Belastendes Material' hört man sicherlich noch ältere Synths und Samples. 'Die Rein' ist da schon weitaus zeitgemäßer und im wahrsten Sinne modern, da wir nun ähnliche Arrangements verwenden, die man auch im Techno/Trance-Genre vorfindet."

Was mich fasziniert ist die Klarheit und Simplizität der Sprachsamples (auch hier eine deutliche Parallele zu Stumpffs "Trivial Schock"!) und die bizarre Wahl der "Themen", die großen Freiraum für Assoziationen lassen, wie z.B. in " Das erste Bonbon" "Kotzbrocken" oder "The Earl of Mount Bottle". Was ist die Philosophie und der Ansatz?

Daniel Logemann: "Philosophie und Ansatz liegen natürlich im uns eigenen tiefen Zynismus und Sarkasmus. Das war rein textlich gesehen schon auf 'Belastendes Material' zu spüren. Irrwitzigerweise wird das allerdings auf der 'Die Rein', die fast ohne Text auskommt, noch deutlicher. Wenn man sich Produktionen aus dem Dance- oder Technobereich anschaut, so lassen Titel und Text doch oft zu wünschen übrig. Plattitüden und inhaltlose Phrasen sind da an der Tagesordnung - und hier liegt ein Ansatzpunkt für uns. Wir produzieren einen Technotrack, der den 'Kotzbrocken' nahe bringt und eben nicht Freedom, Peace oder Happiness. Es mag sein, dass wir uns in dieser Beziehung die 'düstere' Seite bewahrt haben. Bizarre Themen waren schon immer von immensem Reiz für uns. Auch deshalb glaube ich fest an die Existenzberechtigung und die Innovativität des Albums."

Das einzig "wertende" Sample ist das Schröder-Zitat ("Die Rahmenbedingungen stimmen, politische Stabilität ist gewährleistet") in dem Stück "Massiv in Mensch" ...

Daniel Logemann: "Das Schröder-Zitat ist eigentlich nur ein weiterer zynischer Baustein. Da wir schon immer planten, uns selbst in einem Song zu definieren, war da natürlich die Frage, wen wir in den Song einbinden. Nichts lag da näher, als den Kanzler persönlich zu zitieren und dann auch noch mit einer Schröder-typischen Phrase, die im Prinzip politisch und inhaltlich gesehen völlig wertlos ist. Er ist für uns inzwischen die Personifizierung einer Karikatur und somit der ideale Kandidat, Massiv in Mensch vorzustellen. Die Selbsthuldigung ist natürlich völlig überzogen und populistisch, aber genau das war auch das Ziel."

"Die Rein" ist eines der wenigen "Dance"-Alben, das auch für den Heimgebrauch perfekt funktioniert. Nur auf einem einzigen Stück ("Endorph") ist die Stimme von Sarah zu hören, auf "Belastendes Material" noch ein dominierender Faktor. Wie werden Eure Fans darauf reagieren, wie gedenkt Ihr dieses Album live zu präsentieren?

Daniel Logemann: "Wie unsere Fans darauf reagieren werden, wissen wir bis zum jetzigen Zeitpunkt natürlich auch noch nicht. Wir gehen mit hohen Erwartungen ins Rennen. Und wir sind auch zuversichtlich, dass das Album viele Freunde finden wird. Natürlich besteht die Gefahr, vielleicht Fans aus dem Dark- oder EBM-Bereich zu verlieren, aber auf der anderen Seite hat das Album auch ein hohes Potenzial, von vielen anderen Liebhabern der elektronischen Musik gekauft zu werden. 'No Risk no Fun', so könnte man es platt formulieren, aber das ist nicht alles. Auch in Zukunft wird man von uns Produkte im Stile von 'Die Rein' hören, dann aber sicherlich auch mit stärkerer Einbindung von Vocals oder Samples. Gerade mit weiblichen Vocals ist in diesem Spektrum noch viel herauszuholen. Eine Live-Präsentation der 'Die Rein' ist nicht geplant."

Mittlerweile seid Ihr auch als Remixer in Erscheinung getreten (u.a. für Kontrast, Psyche etc.) Was reizt Euch an Remixen, wo ist die besondere Herausforderung?

Daniel Logemann: "Der Reiz besteht ganz einfach darin, dem Originalsong eine völlig neue Note zu geben. Man hat im Prinzip die völlige Freiheit der Neuinterpretation, man kann dem Ganzen einen eigenen Stempel aufsetzen. Auch hier hat sich bei uns eine Entwicklung vollzogen. Inzwischen remixen wir die Songs fast zu 100% mit eigenen Synth-Arrangements und Samples. Es sind somit kaum noch Spuren des Originals vorhanden, was eigentlich ja auch der Sinn eines Remixes sein soll. Wir sind stark daran interessiert, Künstler aus völlig anderen Musikbereichen zu remixen. Seit geraumer Zeit stehen wir z.B. in Kontakt mit Anja Krabbe oder Alex Butcher. Diese Künstler zu remixen wäre sicherlich eine noch größere Herausforderung.
Highlight wäre natürlich immer noch, einen Remix für Modern Talking zu produzieren!"

Bleibt zu hoffe, dass Dieter dies liest!

Letzte simple Frage: Was bedeutet "Die Rein"?

Daniel Logemann: "Simple Antwort! Eigentlich sollte das Album, aufgrund des reinen Charakters - ohne Vocals und Text- nur 'Rein' heißen. Da wir jedoch während unserer Arbeit immer wieder sagten 'der und der Titel kommt auf die Rein' hieß das Album auf einmal nur noch 'Die Rein'. Grammatikalisch gesehen natürlich falsch, aber von der Aussprache gesehen typisch Massiv In Mensch. "




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