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Lacrimosa
Ich habe mir Mühe gegeben. Ehrlich Mühe gegeben.
Doch es geht nicht anders....
Dass Stieg Lacrimosa angeblich hasst wie die Pest und kaum eine Gelegenheit auslässt, auf ihm herumzutrampeln, ist weit über die Grenzen dieses schmucken Online-Magazins bekannt und mittlerweile zu einem schalen Running-Gag verkommen.
Dass Tilo Wolff, trotz der Tatsache, dass er ein Schweizer ist (oder gerade deshalb?!), für mich seit Jahren den künstlerisch sinnentleerten Status Quo der hiesigen Gothic-Szene verkörpert, bleibt dennoch ein unumstößliches Faktum.
Was fasziniert den deutschen Gothic an Lacrismosa?
Meine erste Begegnung mit Tilo Wolff war 1994 auf einem Konzert in Magdeburg, wo er im Vorprogramm von S.P.O.C.K auftrat und bereits beim dritten Stück absolut volltrunken hinter seinem Mikrophon zu Boden strauchelte.
Normalerweise hätte mir dieser Mann also von Anbeginn symphatisch sein müssen, wäre da nicht seine Musik und seine damals schon penetrierende Gothic-Maus-Armee gewesen, die mir über Stunden klar zu machen versuchte, dass Tilo Wolff ein hochsensibler Künstler sei und "echt independent", zumal er nicht nur selber singen und spielen tut, sondern auch die Cover zu seinen Alben höchstselbst krickelt.
In der Tat eine Leistung, die mich ebenso beeindruckte, wie die Tatsache, dass der Mann offensichtlich keine halbe Flasche Scotch bei sich halten kann.
In der Hoffnung, dieses Kapitel würde sich von selbst recht bald erledigen, verdrängte ich die Impressionen jenes Abends bis zum dem Zeitpunkt, an dem die heute bedauerlicherweise "Gothic-Klassik"-Status besitzende Single "Alles Lüge" sich scheinbar zu einem echten Favoriten in großen Teile der sonst mit Liebe und Sorgfalt erzogenen "Grenzwellen"-Gemeinde mauserte.
"Alles Lüge" - ein Stück, das für mich auch heute noch ein Verbrechen gegen jede Regel des Songwritings, des Versmasses und des künstlerisch integeren Ausdrucks steht - von der hohlen Entwertung von seinerzeit schon plakativen Schlüsselwörtern, knödelnder Interpretation, die Emphase mit gutturaler Lautmalerei unterhalb des bundesdeutschen Comedy-Niveaus verwechselt, ganz zu schweigen.
Doch was selbst dem oberflächlichen Betrachter kaum entgehen konnte: Tilo Wolff ist ein Gothic-Beau, wie er im Buche steht.
Dass er rein optisch alle nötigen Anforderungen erfüllt, hätte ihm eigentlich genügen müssen, diese vermeintlichen Vorteile derart straight und comicartigartig zu verkörpern, wie es seinem Image entsprechen würde: im Rock'n Roll in seiner simpelsten Form. Swizz Kiss zum Bespiel. Diese Supermarketingidee hätte ich Mitte der 90er sogar noch unentgeltlich an ihn abgetreten, hätte ich geahnt, was uns da noch blüht...
Ohne Zweifel besitzt Tilo Wolff Rock'n Roll-Qualitäten, doch sein Mangel an Distanz zum eigenen Schaffen, seine Humorlosigkeit und sein fester Glaube, künstlerische Aussage oder gar Wahrhaftigkeit zu besitzen und auch noch verkörpern zu müssen, ersticken derartige Hoffnungen im Keim.
Nur wie kann ein Dorfrocker künstlerisch wertig sein?
Tief in seinem Herzen war und ist Tilo Wolff ein bratzender Metal-Freak, ohne Sinn für Dramaturgie, Sprache, Dynamik, Phrasierung, Stil, der nach wie vor vor dem Problem steht, sein verlogen greinendes Selbstmitleid in eine künstlerische Form zu pressen, die ähnliche gelagerte Deppen das Gefühl gibt, einem kulturell anspruchsvollen Hochgenuss zu beizuwohnen.
Wie sich so etwas anhört, kann man auf Lacrimosas unzähligen Alben und Konzerten erleben und erleiden ("Live").
Richtig sauer wurde ich hingegen, als Lacrimosa für nicht gerade wenig Geld hochverdiente Musiker der Hamburger und Berliner Staatsoper anheuerte, um das Album "Fassade" einzuspielen.
Ganz abgesehen davon, was man mit diesem Geld Sinnvolles hätte anstellen können (Waffen für Saddam Hussein z.B.), ist es erschreckend, zu welchen Huren klassisch ausgebildete Musiker geworden sind (nach Lacrimosa und Pavarotti ist die Peinlichkeitsskala für diese Berufsgruppe nach unten nun endgültig offen!), ein weiteres Beleg für den kulturellen Niedergang dieser Nation.
Als Klaus Schulze 1972 sein Debüt "Irrlicht" mit klassisch ausgebildeten Streichern aufnahm, weigerten sich diese, auf dem Cover namentlich erwähnt zu werden, aus Angst, es könne ihrem Renommee schaden (wahrscheinlich aber ist es heute die einzige Aufnahme, auf die sie wirklich stolz sein können, denn sie haben an einem Klassiker mitgewirkt!).
So ändern sich die Zeiten.
Doch Tilo Wolff nun mit Schulze zu vergleichen, wäre ein Sakrileg.
Weitaus anachronistischer ist er dem unseligen "Rock meets Classic"-Genre verhaftet, das, angefangen von Deep Purple bis hin zu den Scorpions bis heute nicht funktioniert.
Merke: Es ergibt keine Fusion, wenn man stupid formatierte Rocksongs von einem Orchester anpinseln lässt.
Es zerstört alles, ist weder Rock (dem dadurch die Eier weg geschnitten werden!) noch Klassik (dafür müsste man so etwas wie Harmonielehre, Kompositionstechnik oder den Begriff "Partitur" ansatzweise verstanden haben!).
Praktiziert wird diese unselige Allianz nach wie vor deshalb, um dem tumben Fan das Gefühl zu vermitteln, er würde einem staatlich subventionierten Naturereignis beiwohnen.
Doch "Fassade" war erst der Anfang!
"Echos" - das neue Werk - beginnt mit einem dreizehnminütigen Paukenschlag: "Kyrie" (brüllend originell) ist ein 13minütiger sakraler Zuckerwattebausch, dessen schablonenhafte Arrangements und bis an die Schmerzgrenze entleerter Pomp die perfekte Einstimmung für den Rest bieten:
"Echos" ist das bisher orchestralste Werk des Schweizers...
Natürlich handelt es sich auch bei "Echos" wieder um ein Konzeptwerk, das "in zwei Zyklen zu jeweils drei aufbauende Themenbereiche" gegliedert ist...
Tilo Wolff: "Eher auf emotionaler Basis. Ich gehe nicht so vor, dass ich ein Konzept aufschreibe oder versuche, das vorhergehende Album musikalisch oder produktionstechnisch zu toppen, sondern versuche, Gefühle in Wort und Ton zu fassen und dementsprechend entwickeln sich dann auch Dinge, die aus dem Unterbewusstsein kommen und die man kaum planen kann.
Ich war selbst sehr überrascht, wie viel Orchester auf dem neuen Album im Endeffekt vertreten ist , denn als ich den Studioaufenthalt geplant habe, ist mir erst aufgefallen, wie viel Orchesterpassagen 'Echos' überhaupt hat und wie viele Partituren ich schreiben muss. Das war für mich eine Überraschung, weil ich das Album nie als ein Orchesterwerk betrachtet habe, wie z.B. den Vorgänger 'Fassade' Für mich war 'Echos' ein relativ entspanntes Album, das ich mir freiweg von der Seele geschrieben habe."
Und darüber hinaus die Planung vergaß.
Obwohl Tilo Wolff als durchaus cleverer Marketingstratege gilt, könnte er seine künstlerisches Vorgehensweise nicht mauscheliger definieren.
Nur ein scheinbarer Widerspruch...
Tilo Wolff: "Ein Song beginnt damit, dass ich einen Text habe, in dem ich das ausdrücke, was mir gerade auf der Seele lag. Mit diesem Text setzte ich mich dann ans Klavier und benutze ihn so, als wenn es imaginäre Noten wären, die auf Gefühlsbasis basieren. Ich versuche dann, diese Worte in konkrete Töne, eine Melodie zu fassen, die mich nicht mehr loslässt. Es kann auch sein, dass eine konkrete Melodie im Kopf ist, die ich dann versuche, zu konkretisieren. Im gleichen Moment versuche ich dann, das Textschreiben mit einzubauen. Ich will keine Texte schreiben, die später in Gedichtbänden abgedruckt werden können. Es geht darum, mit Worten Bilder zu malen, die das wiedergeben, was ich in dem Moment zum Ausdruck bringen möchte."
Schöner kann man es kaum formulieren.
Galt Lacrimosa bislang als einer der typischen Gothic-Rock-Acts, so ist die schon erwähnte "Rock Meets Classic"-Parallele im unseligen Stil und Sinn der 70er Jahre auf "Echos" kaum zu überhören...
Tilo Wolff: "Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich diesen Deep Purple-und Scorpions-Vergleich schon oft gehört habe, doch das einzige, was ich in dem Zusammenhang gehört habe, ist das Metallica-Album, was ja auch noch nicht solange her ist.
Für mich ist das Orchester ein gleichwertiges Instrument, oder ein gleichwertiger Gegenpart zum Schlagzeug, Keyboard oder der Gitarre."
Das ist ja die Crux! Das Orchester wird nicht integriert, sondern auf die Rockstrukturen aufgepfropft!
Tilo Wolff: "Nein, im Gegenteil. Ich möchte, dass die Platte in sich zusammenfällt, würde man das Orchester raus streichen. Es soll nicht so eindimensional sein, dass das Orchester nur verschönert oder Akkorde nachspielt, sondern ein fester Bestandteil ist."
Is klar. Ohne den aufgeblasenen Pomp würde das Gros der Songs, sagen wir mal, mit einer simplen Gitarrenbegleitung, keine zwei Minuten überleben, da die essenzielle Verdichtung in jedem Moment fehlt.
Ein guter Popsong muss auch auf dem Kamm geblasen vor Gott und der Welt bestehen können...
Tilo Wolff: "Für mich selbst oder Lacrimosa habe ich nie gesagt, dass ich gute Musik machen oder die beste Band der Welt sein möchte. Es geht mir allein darum, meine Gefühle auf den Punkt zu bringen, was relativ egoistisch , aber ganz offensichtlich für mich persönlich ein sehr interessanter Weg ist, weil da eine wahnsinnige Begeisterung freigesetzt wird, weil ich beim Komponieren niemals daran denke, dass ich den perfekten Song nie erreichen werde. Diesen Druck habe ich nicht. Es gibt genügend Songs, die ich als perfekt bezeichnen würde und und es gibt genügend Songs, vor denen ich auf die Knie gehe und dankbar bin, dass diesen Song jemand geschrieben hat, ohne dass ich etwas dafür tun musste und ich ihn einfach nur anhören darf.
Für mich selber reicht es, wenn ich meine Emotionen und meine Welt aufbauen kann. Und dann ist es umso schöner zu sehen, wenn jemand ankommt und sagt 'Deine Musik und Deine Gefühle inspirieren uns so wahnsinnig und hilft mir durch Phasen in meinem Leben, die ich nicht allein hätte meistern können'. Das ist für mich zwar ein ganz anderer Anspruch, aber eine sehr schöne Arbeitsweise."
Sicher.
Worum geht es in "Echos"?
Tilo Wolff: "Im Prinzip möchte ich beschreiben, wie man auf der Suche nach Dingen in einem selbst seine Umwelt besser begreifen kann. Man kann sein Gegenüber nur dann begreifen, wenn man versucht, sich selbst zu verstehen. Und gewisse Situationen kann man nur meistern, wenn man sich selbst begreift.
Darum geht es in den ersten zwei Teilen des Albums, betitelt 'Suche' und 'Hingabe'. Das ist ein Blick nach innen. Es geht darum, nicht den Blick nach innen zu verschließen vor Dingen, die einem selbst nicht so passen. Dass man Charaktereigenschaften und Gefühlsebenen, die man nicht selbst greifen kann, einfach unter den Teppich kehrt und dass diese auch nicht eines Tages unkontrolliert ausbrechen können.
Im letzten Teil 'Bittruf' geht es darum, das Gelernte festzuhalten. Ebenso, wie man viele Dinge vergessen hat, die man in der Schule lernte, durchlebt man Tag für Tag Situationen, in denen einen die gewonnenen Erfahrungen nicht helfen konnten, weil sie einfach nicht präsent waren. Aus welchen Gründen auch immer. "
Alzheimer?
Tilo Wolff: "Es geht darum, Wahrhaftigkeit zu finden! Und wenn man die gefunden hat, kann an den Blick nach außen werfen, auf die Situation oder die Person, mit der man sich auseinandersetzen möchte. Und von diesem Punkt aus kann man beginnen, Dinge zu ergründen, und auch wenn sie einem nicht gefallen, sich ihnen hinzugeben und letztendlich das, was man zusammen erzielen konnte, auch festzuhalten.
Im großen und ganzen ist dies das Konzept, das sich erst dann manifestiert, wenn ich im Studio bin und merke, dass die Stücke, aufgrund der Zeit, wann ich sie geschrieben habe, einen gewissen Zusammenhang haben"
Aha.
Tilo Wolff: "Das Album 'Echos' ist für mich wie ein Haus, in dem es verschiedene Räume gibt. Die Ouvertüre 'Kyrie' ist für mich so etwas wie die Eingangshalle, ein Ort, an dem man sich umsehen und sich orientieren kann, wo man hier ist. In einer Zeit, in der sich die Menschen aufgrund der Reizüberflutung mit vielen Dingen nicht mehr auseinandersetzen können, in der Bands nur noch als Produkte gesehen werden, und erst vor dem RTL-Casting auf die Öffentlichkeit losgelassen werden, möchte ich Musik machen, die klar zum Ausdruck bringt, dass man sich hier zurücklegen kann."
Superanspruch!
Tilo Wolff: "Es ist keine Wegwerfmusik! Für unsere Musik muss man sich Zeit und Geduld nehmen. Hat man die nicht, ist man der falsche Mensch dafür. Lacrismoa ist keine Wegwerfmusik, man muss sich mit ihr auseinandersetzen, und da kann man nicht mit einem Ohr zuhören. Was man dann davon denkt, ist was anderes"
Das Schöne an einen publizierenden Künstler ist, dass er nichts weg lügen kann.
Jede Peinlichkeit, jeder Ausrutscher ist fein säuberlich auf CD archiviert - und letztendlich wird er daran gemessen werden, ob er daraus irgend etwas gelernt hat - oder immer noch im "Kino seines Lebens" sitzt...
Tilo Wolff: "Ich habe meine Musik immer als eine Art Tagebucheintrag gesehen. Das sind ja alles Dinge, die einen selbst bewegen. Es ist ja gerade das Schöne, dass man sich nach 10 Jahren alte Alben anhören, nach wie vor daran Freude haben kann und die Dinge, die man dort hört, nachvollzieht, auch wenn man sich als Mensch weiterentwickelt hat. Nichtsdestotrotz sind diese damaligen Gedanken Bestandteil der eigenen Geschichte."
Geht es ihm bei den obskuren Photos ähnlich?
Tilo Wolff: "Das Image, das mir anhaftet, hat eher damit zu tun, was genährt ist von irgendwelchen Gerüchten, die um mich haften."
Schon mal überlegt, ob das vielleicht auch an Deinem verbalen Ausdruck liegen könnte..?
Tilo Wolff: "Ich weiß, dass ich sehr viel Angriffsfläche biete, weil ich nicht in jede Schublade passe!"
Perfekter zugeschnitten geht fast nicht mehr!
Tilo Wolff: "Als ich angefangen habe, Musik zu machen, wurde immer nur gesagt, ich würde aussehen, wie ein Grufti. Heutzutage ist es so, dass jede Band, die diese Musik macht, sich den Vorwurf gefallen lassen muss, warum sie nicht gruftig aussieht.
Es ist eine Betrachtung von außen, die relativ wenig mit meiner Musik zu tun hat.
Ich habe immer gesagt, dass der Musiker der hinter der Musik steht, völlig egal ist.
Mein Aussehen ist völlig egal. Ich komme halt aus dieser Szene und habe nie einen Grund dafür gesehen, mein Äußeres zu ändern. Über die Jahre war das Äußere vielmehr ein Nach-Aussen-Kehren des Inneren.
Je länger ich Musik machen kann, desto weniger brauche ich das Äußere. Hätte ich diese Möglichkeit nicht, würde ich wahrscheinlich noch extremer rumlaufen, so wie früher.
Doch das hat weniger mit Image zu tun. Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch. Ich weiß, dass ich auf der Bühne für den Betrachter eine höhere Wertigkeit bekomme, als im normalen Leben. Und auf die ein oder andere Weise ist diese Wertigkeit auch gerechtfertigt."
Warum?
Tilo Wolff: "Mein Image ist von Kultur zu Kultur sehr unterschiedlich. In Mitteleuropa habe ich ein ganz anderes Image als in Südamerika oder Japan. Das grundsätzliche Denken, wie man einen Menschen sieht, unterscheidet sich in diesen Kulturen sehr!"
Etwas halbherzig. Gerade die hiesige Szene ist für Primärreize überaus empfänglich...
Tilo Wolff: "Die Gefahr besteht immer und lässt sich kaum beeinflussen. Es gibt immer Menschen, die nur das Äußere sehen. Man setzt mich auf einen Sockel und stellt irgendwann fest, dass dieser Mensch diesem Sockel gar nicht gewachsen ist, weil er in das gewünschte Klischee gar nicht zu pressen ist. Und plötzlich ist man sehr enttäuscht von diesem Menschen, wendet sich mit negativen Gefühlen von ihm ab. Die Fragen, die sich mir stellen sind a) warum hast Du mich auf den Sockel gestellt und b) warum hast Du mich heruntergeworfen?"
Antwort: Weil der Rock'n Roll schon seit 100 Jahren so funktioniert.
Und versuche nicht zu behaupten, dass Du seine Regeln nicht von der Pike auf gelernt und mitgespielt hast.
Dennoch glaubt sich die Gothic-Szene, aus diesem Zirkus ausschließen zu können.
Wie sieht die Ikone die Entwicklung der Szene?
Tilo Wolff: "Als ich die Szene kennen gelernt habe, gab es doch einiges mehr an Werten, die ich heute sehr vermisse.
Ich habe den Eindruck, die Szene ist sehr oberflächlich geworden. Wir reden hier mittlerweile von der zweiten und dritten Generation - und es hat sich ein Wandel vollzogen, den ich nicht gerade gutheißen möchte.
Ich wünsche mir, dass gewisse Werte einfach wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden."
Welche?
Tilo Wolff: "Die Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, die Toleranz dem anderen gegenüber, einen Freiraum für den anderen lassen und Personen nicht vorschnell verurteilen.
Eine Szene lebt dadurch, sich ausleben zu können in gewissen Perspektiven. Diese Verurteilen durch Minderwertigkeitkomplexe heraus ist ein Paradiesvogelgehabe, dass ich etwas traurig finde.
Viel schöner wäre ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl. Wenn sich zwei Gothics auf der Strasse begegnen, gucken sie sich nur abschätzig an.
Wenn man Menschen beobachtet, die sich unter anderen Umständen begegnen, grüßen sie sich, obwohl sie sich nicht kennen."
Ich würde auch nie auf den Gedanken kommen, einen Gothic auf der Strasse zu grüßen.
Gerade weil diese Szene ja den absoluten Individualismus predigt, wäre dies geradezu ein Sakrileg...
Tilo Wolff: "Jeder Individualist sollte seine Individualität ausleben, aber gleichzeitig auch naturgegeben diese Individualität dem Gegenüber einräumen."
Amen.

















