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Interviews : Auto Aggression Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 23.02.2007 11:44 (7964 x gelesen)



Auto Aggression

Es ist immer wieder mehr als angenehm, die Erfahrung zu machen, dass es auch heute noch elektronische Musiker gibt, die stilistisch nicht eindeutig greifbar sind.
Lukas Schneider, bzw. sein Projekt Auto Aggression gehört zu dieser mittlerweile raren Spezies:
Bereits auf dem 2005er Debüt Geräuschinformatik bewies Schneider, dass es sehr wohl eine Schnittmenge zwischen William Orbit, Ambient und Minimal-Industrial geben kann.
Das neuste Werk Artefacts geht noch einige Schritte weiter….


Lukas Schneider ist ein Meister des Zitats.
Nicht des plumpen, kopierenden Zitats, sondern des verarbeitenden Zitats, das erahnen lässt, dass dieser Mann nicht nur diverse Stile vereinnahmt, sondern auch für sich verarbeitet hat.
Der Reichweite erstreckt sich von Techno, wie ihn große Warp-Bands wie Autechre zelebrierten, hin zu eisigen, stehenden Klanglandschaften oder harschen, vertrackten minimalistischen Beats.

Doch Lukas Schneider hat längst aufgehört, in Genrekategorien zu denken.

Lukas Schneider: „Ich habe eigentlich mit der elektronischen Musik begonnen, weil ich gerade diese sinnlosen Schubladen hinter mir lassen wollte.
Natürlich hat man gewisse Schwerpunkte, aber ich mache diese Musik, weil ich mich in keiner Weise einschränken lassen möchte.
Ich mach auch keinen großen Unterschied zwischen Industrial oder Ambient. Die Arbeit mit der Elektronik legt nahe, dass man sehr viel mit Loops arbeitet und man in beiden Fällen das Mittel der Repetition benötigt, ganz einfach um sicherzustellen, dass diese diffizil erarbeiteten, facettenreiche Klänge auch zur Genüge wahrgenommen werden.
Gerade in solchen Strukturen benötigt man längere Parts, wo vordergründig kein Fortschritt oder eine Entwicklung stattfindet, sondern wo man einfach innehält, um eine zeitlang etwas auf sich wirken zu lassen.
Das ist generell das Problem mit Musik, die hauptsächlich versucht, Atmosphäre einzufangen und zu vermitteln.
Wenn Du ein Bild malst, so kann der Betrachter so lange wie er möchte das Bild betrachten; man hat die Zeit, die man braucht, um die Atmosphäre des Bildes in sich aufzunehmen.
Musik ist leider eine Zeitkunst, von daher sind Wiederholungen sehr wichtig.
Ich definiere meine Musik als Architektur. Gerade die Gegend, in der ich wohne, ist stark geprägt von der Bauhaus-Architektur, es gibt sehr viele Industriebauten diesen Stils im Ruhrgebiet.
Dieser Baustil beeinflusst mich auf einer atmosphärischen Ebene und ich versuche, diese urbane, moderne Stimmung in meiner Musik wiederzugeben.“

Transparenz, klare, fast nordische Kälte, die dennoch eine große bildliche Qualität besitzt, zeichnen große Strecken des nicht zwangsläufig tanzbaren Albums „Artefacts“ aus…

Lukas Schneider: „Mir ist es immer wichtig, klar zu sein, dennoch eine Tiefe zu vermitteln.
Kristaline Klänge und Wärme im Gesamtbild müssen sich nicht ausschließen und der tanzbare Aspekt steht nicht im Vordergrund. Zwar sind solche Tracks für ein Album immer wichtig, doch ‚Artefacts’ ist für mich in erster Linie Kopfkino.
Ein Album, das man hört, wenn man nachts auf der A 42 Richtung Duisburg fährt…“


Das Album „Artefacts“ in unserem Shop

In wieweit ist der Titel „Artefacts“ Konzept?

Lukas Schneider: „Ich habe den Titel gewählt, weil halt viele der Klänge auf Artefakten basieren, also auf digitalen Störgeräuschen.
Frei übersetzt ist ein Artefakt aber auch ein künstliches, vom Menschen erstelltes Objekt, das nicht in der Natur gefunden werden kann.
Ich mag diese Wortspiele, besser gesagt einen Titel, der mehrere Bedeutungen hat, der also einmal die technische Seite abdeckt, aber auch den Kunstaspekt hervor hebt und deutlich macht, dass man meine Musik auch ohne technologischen Background genießen kann.“

Ebenso wie auf dem Debüt „Geräuschinformatik“ sind auch auf „Artefacts“ zwei Gastsänger zu hören:
Zum einen Nives Garasevic, die unter anderem den Höhepunkt „Words“ intoniert, zum anderen Eskil Simonsson von Covenant.

Lukas Schneider: „Nives ist meine frühere Freundin, die schon auf dem Debüt mitgewirkt hat.
Besonders froh bin ich aber über das Mitwirken von Eskil.
In der ganzen düsteren Elektro-Szene gibt es leider nur ganz wenig gute Sänger. Neben Eskil würde ich höchstens noch Ronan Harris von VNV Nation oder Alexander Veljanov dazu zählen.
Eskil war mein Wunsch, gerade, weil ich denke, dass seine Stimme sehr gut zu meiner Musik passt.
Ich habe ihm mit ‚Thousand Fires’ das Stück angeboten, das meiner Meinung nach noch am ehestens in Richtung Covenant geht.
Ironischerweise singt er das Stück aber keinesfalls im typischen Covenant-Stil. Das war doch sehr erstaunlich, aber auch sehr positiv überraschend…“

Trotz der Mitarbeit von Eskil Simonsson bleibt „Artefacts“ ein Album, das nur sehr schwer zu greifen ist…

Lukas Schneider: „Ich sehe diese Vielschichtigkeit nach wie vor als Vorteil.
Es ist für Leute, die Auto Aggression bisher überhaupt nicht kennen, sicher nicht so leicht, den direkten Zugang zu finden. Auf der anderen Seite empfinde ich es als Kompliment, dass man gerade nicht sagen kann ‚Auto Aggression klingt wie XY’.
Ich möchte es zudem vermeiden, langweilig und vorhersehbar zu sein. Es gibt zu viele Bands, die Alben mit absolut identischen, gleichförmigen Tracks heraus bringen, wo man sich denkt, dass ein Stück der Sorte absolut gereicht hätte.
Nur, um das Projekt klarer für die Öffentlichkeit zu zeichnen, werde ich nicht auf Vielfalt verzichten.“

Auto Aggression ist ein Teil der großen, interessanten Dependent-Gemeinde, jenem Label, das in diesem Jahr leider seine Pforten schließen wird (siehe dazu auch unser Forum)

Wie sieht Lukas Schneider diesen Schritt – und was bedeutet er für ihn?

Lukas Schneider: „Ich habe schon relativ früh davon erfahren, dass Dependent geschlossen wird.
Ich kann die Gründe dafür nicht nur nachvollziehen, sondern begrüße diesen Schritt sogar.
Warum?
Wenn man Musik auf dem Niveau veröffentlichen will, wie es Dependent gemacht hat, dann muss einfach ein Feedback der Hörerschaft erfolgen. Und dieses Feedback kann nur so aussehen, dass sich die Leute die Musik kaufen, egal ob auf CD, oder als mp3 bei i-tunes oder Grenzwellen.
Es muss klar sein, dass alle Musiker in dieser Szene nicht wirklich Geld mit ihrer Musik verdienen. Es gibt nur sehr wenige Leute, die von ihrer Musik leben können.
Ein Label wie Dependent ist aber ein Full-Time-Job, den kann man einfach nicht leisten, wenn man nebenher noch acht Stunden am Tag einer anderen Arbeit nachgeht.
Wenn keine Alben gekauft werden, alles bei den Tauschbörsen landet und sich niemand genötigt sieht, die Sachen hinterher noch legal zu kaufen, kann ein Label, das auf einem Niveau wie Dependent arbeitet, seinen Job nicht mehr erfüllen.
Es ist ein konsequenter, fairer Schritt zu sagen, wir machen den Laden dicht, anstatt sich auf faule Kompromisse einzulassen, die dahin führen, dass man die Sache nur noch halbherzig betreibt und z.B. schlechte Promotion macht.
Dependent stand immer für qualitativ hochwertige Produktionen. Und wenn die nicht mehr zu leisten sind, dann ist es nur konsequent zu sagen, man lässt es.
Für mich als Künstler ist das natürlich nicht sehr angenehm, aber da ich von den Plänen relativ früh gewusst habe, blieb mir die Zeit, mich darauf einzustellen.
Ich werde weiterhin Musik machen, doch ohne andere Labels schlecht zu reden, möchte ich bezweifeln, dass es so ein Label wie Dependent heute noch ein zweites Mal gibt.
Ebenso wie viele andere Kollegen bezüglich ihrer Bands denke ich auch, dass Auto Aggression in der Form, wie es das Projekt heute gibt, bei keinem anderen Label möglich gewesen wäre.
Das gilt übrigens auch für Bands wie VNV Nation oder Covenant, die bei Dependent groß geworden sind.
Der große Vorteil für Musiker war, dass bei Dependent gerade Bands eine Chance hatten, die immer noch innovativ arbeiten. Sieh Dir z.B. eine Band wie Dismantled an. Für mich ist das eine Band, die erst in zwei oder drei Jahren von der Szene begriffen werden wird, wenn der ganze Stumpf-Industrial endlich wieder aus den Gehörgängen verschwunden ist.
Dependent war einfach eine wichtige Fraktionskraft, die der Szene ganz bitter fehlen wird.“

Wie sieht Lukas die Szene, fühlt er sich noch in ihr wohl?

Lukas Schneider: „Auf der einen Seite fühle ich mich dort immer noch wohl und aufgehoben, auf der anderen Seite werde ich heute Abend in einen ‚schwarzen’ Club gehen, von dem ich weiß, dass 90 % aller Musik, die ich da hören werde, 5 bis 20 Jahre alt ist.
Auf der anderen Seite bin ich auch gerne bereit, mir die neue Xotox anzuhören, wenn ich im Gegenzug auch die neue Dismantled geboten bekomme. Doch das kommt nur sehr selten vor.“

Wird „Artefacts" daran etwas ändern?

Lukas Schneider: „Ich würde es mir wünschen. Ich würde es bedauern, wenn mich andere Musiker kopieren würden, aber ich würde es begrüßen, wenn sie die Aufbruchstimmung und die Innovationen wahrnehmen würden.“

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