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Interviews : Edge Of Dawn Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 28.06.2007 18:00 (4633 x gelesen)



Edge Of Dawn

Innerhalb kurzer Zeit hat sich einer der jüngsten Psychologie-Professoren Deutschlands zu einem der größten Hoffnungsträger des deutschen Elektro-Pop entwickelt:
Frank Spinath, schon bekannt als Sänger von Seabound hat mit seinem neuen Projekt Edge Of Dawn und dem Album Enjoy The Fall nicht nur eines der überzeugendsten und stilvollsten Elektroalben dieses Jahres abgeliefert, sondern auch ein Tabu thematisiert…


Über mangelnde Resonanz kann sich Frank Spinath in der Tat nicht beklagen:
Fast zeitgleich veröffentlicht, wurde sowohl das aktuelle Seabound-Album als auch „Enjoy The Fall“ mit Lob überhäuft.

Warum zwei Projekte?

Frank Spinath: „Mario Schumacher, der Musiker bei Edge Of Dawn, hat mich bei einem Seabound-Konzert im Jahr 2004 angesprochen. Er hatte einige Demos und fragte mich, ob wir nicht zusammen Musik machen wollen…
Ich bekomme diese Art von Anfragen wirklich recht häufig, bin aber eher zurückhaltend, weil es für mich wirklich ‚klick’ machen muss – und das passiert eigentlich nie.
Doch in diesem Fall war es anders. Es waren zwei Demos.
Aus einem wurde später Losing Ground, aus dem anderen The Flight.
Wie bei Seabound auch hatte ich das Gefühl, dass da mehr drinsteckt, die Musik vielschichtiger ist, nicht beim ersten Hören greifbar – dennoch gradliniger als bei Seabound.
Das war der Punkt, der mich angesprochen hat.
Zudem ist Mario ein Mensch, der einen anderen Stil der Zusammenarbeit pflegt. Es geht nach vorne, ohne einfach oder primitiv zu sein.
Mario ist sehr bescheiden und ein Musiker, der immer noch versucht, seine Nische zu finden.
Bei Seabound ist die Arbeitsverteilung sehr klar: Martin ist unbestritten der Soundmann, weil er es einfach am besten kann – und ich steuere den Gesang und die Texte bei.
Doch was ich bei Alben wie No Sleep Demon noch an Spielwiese hatte, ist weg.
Für das Album Double-Crosser haben wir uns nicht ein einziges Mal getroffen.
Da gibt es keine Diskussionen mehr, es ist ein perfektes Zusammenspiel.
Aber genau dieses Experimentieren fehlte mir sehr.
Ich mag es, auch mal einen Tag darüber zu debattieren, wohin der Song gehen soll.
Und genau das ist bei Edge Of Dawn gegeben.“

Mag es sein, dass die Gradlinigkeit der Musik der eher tiefergehenden, komplexeren lyrischen Thematik des Albums zugute kommt?

Frank Spinath: „Da ist ein wunder Punkt getroffen. Es wird persönlicher.
Wenn man Alben wie Double-Crosser oder Enjoy The Fall, die ja fast zeitgleich entstanden sind, nebeneinander stellt, wird man feststellen, dass Seabound eher etwas künstlicher und zurück genommener wirkt, dass thematisch noch einmal zwei oder drei Filter davor geschaltet wurden.
Bei Edge Of Dawn hört man das, was unmittelbar heraus musste – bis hin zu deutschen Textzeilen in Black Heart.
Das ist etwas, was ich eigentlich nie machen wollte.
Doch das Thema war zu persönlich, so dass ich keinen anderen Weg wusste.
Das Thema von ‚Enjoy The Fall’ ist Borderline – und steht somit eigentlich im krassen Gegensatz zu ‚Double-Crosser’, wo es darum geht, dass man seinen Mitmenschen etwas vorspielt.
Bei ‚Enjoy The Fall’ war für mich der Punkt erreicht, an dem ich wusste, dass es unumgänglich ist, die Dinge sehr direkt beim Namen zu nennen.“

Inwieweit ist sein Beruf des Psychologen Therapie für ihn selbst, wie verarbeitet er die Eindrücke, die Gefühlswelten seines Publikums?
Gerade in einer Szene, in der sich vermehrt Leute mit psychischen Anormalitäten beschäftigen und das Borderline-Syndrom recht verbreitet ist…

Frank Spinath: „Mein Beruf gab mir im Fall von ‚Enjoy The Fall’ eine Art Schablone.
Ich konnte mit dem Begriff ‚Borderline’ Dinge in ein Raster packen, konnte punktgenauer definieren, was mir durch den Kopf ging. Ich habe der Sache einen Namen, ein Label gegeben. Wenn etwas ein Label hat, also benannt werden kann, ist es weniger Angst einflößend, weil es nicht mehr unbekannt scheint.
Bei der Suche nach der Thematik und den verbindenden Elementen in den Songs gibt es einen großen Spannungsbogen, ohne dass es ein Konzeptalbum im herkömmlichen Sinne ist.
Mit meinen psychologischen Background war es mir relativ einfach, die Dinge zu benennen - und da ich mich mit dem Phänomen ‚Borderline’ und auch mit betroffenen Personen sehr intensiv beschäftigt habe, habe ich die Erfahrung gemacht, wie erlösend es für viele Menschen ist, wenn sie ihr Problem definieren können.“





Könnte „Enjoy The Fall“ eine Art Hilfestellung, Therapie oder ein Spiegel sein?

Frank Spinath: „Das glaube ich nicht.
Jemand, der betroffen ist – oder der mit jemanden zusammen ist, der betroffen ist, könnte schon etwas daraus ziehen, dennoch glaube ich nicht, dass in ‚Enjoy The Fall’ versteckte oder offene Hilfsangebote vorhanden sind.
Wenn Du Borderliner bist, dann ist das Album keine Hilfestellung – auch weil die hier gezeichnete Geschichte eher tragisch endet.
Doch ich denke, dadurch, dass dieses Thema künstlerisch thematisiert wurde, ist es dennoch ein Schritt, der es erleichtert, mit diesem Problem an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Was fasziniert Frank Spinath am Borderline-Syndrom?

Frank Spinath: „Es ist dieser wahnsinnig starke Hunger nach Leben auf der einen – und die Selbstzerstörung auf der anderen Seite.
Diese Widersprüchlichkeit der Personen, die einerseits nach Liebe, Anerkennung, Nähe und Sinn schreien und gleichzeitig die Leute terrorisieren, die ihnen nahe stehen, weil sie nicht anders können.
Und die sich letztendlich selbst terrorisieren und verletzen. Dieses sich ‚immer schneller drehen’, um den Punkt zu erreichen, an dem man ruhig ist.
Ohne das mit zuviel Pathos versehen zu wollen, bringt das Borderline-Syndrom die ganze Tragik unseres Daseins auf den Punkt, denn die Suche nach Sinn und Liebe kennt jeder von uns. Und die Leute, die dies auf extreme, selbst zerstörerische Weise betreiben, haben mich schon immer fasziniert, denn was sie antreibt ist nicht zuletzt der Hunger nach Erfahrungen in Grenzbereichen. Letztendlich der Grund für viele Süchte.“

Gerade dieser Hunger ist ja ein Element, ein Antrieb, der auch jeden Künstler ausmacht, bzw. ausmachen sollte.
Zugleich wird der Finger recht direkt in die Wunde gelegt...

Frank Spinath: „ Ich weiß das.
Und ich denke nicht, dass ich hier einen Ausverkauf betreibe.
Wenn ich dieses Thema in einer Szene anspreche, in der dieses Phänomen viel öfter auftaucht als in anderen Szenen, so ist es gerade stimmig.
Zudem ist die Diagnose ‚Borderline’ kein Todesurteil.
Im Gegenteil.
Viele Betroffene funktionieren auf vielen Ebenen des täglichen Lebens recht gut. Und gerade in Kreisen wie in ‚unserer Szene’, wo man verstärkt nach Verständnis oder Tiefgang sucht, ist ein Coming-Out für Betroffene leichter als anderswo.
Es gab ja schon zahlreiche Reaktionen auf ‚Enjoy The Fall’.
Nicht in der Art und Weise, dass wir nun das Leben der Betroffenen verändert haben, sondern uns wurde gedankt für den Mut, das Problem zu thematisieren, zudem haben sich viele in den Texten wieder erkannt.
Man muss über Probleme nicht reden, weil es Probleme sind.
Für mich war das Thema auch deshalb interessant, weil es zeigt, wie spannend Menschen eigentlich sind.
Das ‚Borderline-Syndrom’ hat ja auch durchaus schöne Momente, denn du bist zu sehr intensiven, extremen Gefühlen fähig. Ein ‚gesunder’ Langweiler wird diese Gefühle wohl sein Leben lang nicht kennen lernen.
Und dieser Hang zu Extremen ist natürlich auch bei mir vorhanden. Ich als Künstler lasse diese Gefühle, vor allen Dingen den Hunger nach Leben, nur zu gerne zu.
Meine Arbeit als Psychologe und Künstler ist aber dennoch kein Zwiespalt oder Widerspruch. Es ist eine Symbiose, es ist meine Art zu leben.
Ich möchte diese beiden Welten dennoch nicht fusionieren. Wenn ich in der Uni bin, sage ich mir oft, dass ich im Herzen ja eigentlich Musiker bin.
Und wenn in meinem Musikerleben etwas doof läuft, kann ich immer noch sagen, dass ich Psychologe bin.
Diese Dualität gibt mir auch immer die Möglichkeit zu fliehen. Ich mag diesen Wechsel und ich mag es, mehrere Optionen zu haben.
Das gibt mir auch die Freiheit, mich nicht festzulegen und Kompromisse eingehen zu müssen.“

Zumal Frank Spinath nun auch künstlerisch mehrere Optionen hat:
Das „Zweitprojekt“ Edge Of Dawn ist mittlerweile fast genauso erfolgreich wie Seabound.
Könnte es sein, dass das eine Projekt dem anderen hilft, künstlerisch zu überleben?

Frank Spinath: „Wie auch immer du diese Intuition erwischt hast, es ist absolut richtig!
Ich will nicht sagen, dass es Seabound ohne Edge Of Dawn nicht mehr geben würde, aber ich habe mit Edge Of Dawn gelernt, die Dinge, die mich mit Seabound frustrieren, sehr locker hinzunehmen.
Es gibt gewisse biographische Elemente, die ich momentan nur in Edge Of Dawn verwirklichen kann.“

Dabei ist sowohl die Zukunft von Seabound als auch von Edge Of Dawn insofern ungewiss, da ihre Heimstatt, das Label Dependent, in diesem Jahr unwiderruflich seine Pforten schließt…

Frank Spinath: „Wir haben im Mai in Holland mit Rotersand, Pride & Fall und Dismantled ein Dependent-Festival gespielt – und nach diesem Festival haben wir den Dependent-Chef Stefan Herwig kollektiv auf die Bühne geholt und uns bei ihm bedankt.
Es war ein Riesendankeschön an einen Menschen, den sämtliche Leute, die ihn als Mitarbeiter, Künstler oder Chef kennen, mit Sicherheit schon tausendmal verflucht haben, weil er absolut resistent seine Meinung vertritt und nach einiger Zeit auch ziemlich nerven kann.
Doch das ist alles nur Ausdruck dafür, dass er es ernst meint und ein Herz hat für das, was er macht!
Es gibt eine Reihe von Alternativen, mit denen man sicher leichter arbeiten könnte als mit Stefan, doch sein Herz und sein Einsatz sind unbezahlbar und es gibt nur noch wenige Leute, die so arbeiten wie er.
Darum bedauere ich seine Entscheidung, Dependent dicht zu machen, sehr!
Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin, würde es Stefan nicht geben.
Auf der anderen Seite bin ich so naiv und optimistisch zu glauben, dass es irgendwie doch weiter geht.
Wir sind ja so lahm, dass wir wahrscheinlich erst in zwei Jahren ein neues Album fertig haben – und wer weiß, was sich bis dahin getan hat…“


Edge Of Dawn-Homepage
Seabound-Homepage

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Die hier verffentlichten Artikel und Kommentare stehen uneingeschrnkt im alleinigen Verantwortungsbereich des jeweiligen Autors.

Mitglied Diskussion
berti Geschrieben am: 30.06.2007 14:58  Aktualisiert: 30.06.2007 14:58
Novize
Mitglied seit: 12.05.2004
aus:
Beitrge: 6
 Re: Edge Of Dawn
Sehr interessantes Interview zu einem der besten Elektro-Pop-Alben 2007!
Dennoch eine kritische Anmerkung zum Thema "Borderline" und dem "Coming Out" der Betroffenen.
In der schwarzen Szene mit ihrem Hang zu Leid, Schmerz und Exhibitionsismus (ein Exhibitionist zeigt immer das, was er nicht hat!) scheint es ein Trend zu sein, dass es echte Borderliner mittlerweile ziemlich cool finden, ihre selbst zugefügten Stigmatisierungen wie aufgeschlitzte Arme, Brandwunden und ähnliches stolz auf Festivals zu präsentieren.
Natürlich ist das ein weiterer Hilferuf, doch ich befürchte, dass sich das wieder zu einem oberflächlichen, gefährlichen Trend entwickeln könnte. Das wäre fatal.
Andere Borderliner verstecken ihre Wunden, hier werden sie öffentlich gemacht und reizen vielleicht Nachahmer, ohne sich des Themas wirklich bewußt zu sein, weil sie meinen, das wäre gerade angesagt.
 

Mitglied Diskussion
Blackice Geschrieben am: 24.09.2007 23:42  Aktualisiert: 24.09.2007 23:42
Novize
Mitglied seit: 14.08.2004
aus:
Beitrge: 1
 Re: Edge Of Dawn
Ein unglaublich gutes Album, danke für das erhellende Interview. Der Gesang des Refrains zu 'Pray For Love' kommt mir irgenwie bekannt vor, muss immer an Alphaville denken. Hat jemand eine Idee an welchen Song diese Stelle gemahnt ?.
 

 
 DAC



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