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Interviews : Martin Hall Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 06.11.2007 20:00 (3875 x gelesen)



Martin Hall

Der Output dieses Mannes ist schier unermesslich.
Allein im letzten Jahr gab es mit Facsimile, Racing Cars und Hindsgavl Slot 180605 gleich drei fantastische, höchst unterschiedliche Alben.
Jetzt liegt mit der Box Catalogue die erste allumfassende Retrospektive dieses wohl wichtigsten neuzeitlichen dänischen Musikers vor, die zudem auch einen Ausblick auf die Zukunft erlaubt….


Martin Hall begleitet mich schon seit den frühen 80er Jahren.
Seine 80er-Alben „Relief“ und Cutting Through waren, neben den Frühwerken von Twice A Man, eine der wenigen eigenständigen elektronischen Werke aus Skandinavien, die zwar noch die androgyne Grazie und Kälte des anspruchsvolleren Synthpops der 80er transportierte, dennoch schon das schier unendliche Potenzial erkennen ließen, das später in Meisterwerken wie Random Hold zu hören war, auf denen Martin Hall sämtliche Klischees und Plattitüden abstreifte und zu dem expressionistischen Kern seiner Musik fand – der Entwicklung von Musikern wie David Sylvian oder Mark Hollis von Talk Talk nicht unähnlich.

Diese Entwicklungen sind schon in zahlreichen Interviews auch dieser Seite dokumentiert (Links unten) - kommen wir vielmehr zu „Catalogue“ – der neuen 5er CD-Box, die Martin Halls Schaffen in fast all seinen Facetten abdeckt.

Airplay vereint alle Singles und Airplay-Tracks von Martin Hall - darunter auch lang vergriffene Raritäten wie die Single-Edits "Crush" und "Showdown" vom legendären "Cutting Through"-Album, bis hin zu offensiv poppigen Perlen wie "Burning Sugar", "Roseland" oder der aktuellen Single "World On A String"

Hallmark enthält die vornehmlich schwermütigen, theatralischen Tracks aus Martin Halls Karriere.
Darunter sind viele lang gesuchte Raritäten: Von "Leathern" aus dem Jahr 1981 über die Highlights der legendären Alben "Relief", "Cutting Through", "Random Hold", "Adapter" und "Facsimile" bis hin zu bislang unveröffentlichten Kleinoden.

Soundtracks enthält ausnahmslos Instrumentals - darunter Martin Halls Arbeiten für diverse Installationen, Theater- und Film-Projekte.
Versammelt sind hier Frühwerke wie "Evocative Inelegance" von 1980, editierte Versionen der großen Ambient-Klassiker "Elia" und "Racing Cars" oder die instrumentalen Highlights des Konzeptwerks "Camille".

Remakes enthält vorwiegend neue Mixe und Versionen von Martin Hall-Songs sowie seine Gastauftritte bei anderen Künstlern.

Und Encore brilliert neben dem schon 1981 eingespielten "Poem" mit den Highlights eines Konzerts aus dem Jahr 2006 mit den Dänischen Chamber Players:
Für Streichquartett arrangierte Versionen zeitloser Hall-Klassiker wie "Another Heart Laid Bare", "Performance", "Cradlemoon" oder "Ash And Lemon Water"

Warum „Catalogue“?
Eine Aufarbeitung der eigenen Historie, ein melancholischer Rückblick, eine Zäsur?

Martin Hall: „Eigentlich alles zusammen.
Der Grundidee war zunächst eine sehr pragmatische.
Sehr viele meiner alten Platten gibt es bis heute nur auf Vinyl, es gab in den 80ern selten eine CD und nur selten digitale Veröffentlichungen – und es gab immer wieder Fragen, wann diese Alben wieder zu haben sind.
Prinzipiell bin ich eher Traditionalist und der Meinung, dass die Alben, die in der Vergangenheit veröffentlicht wurden, auch in dem damaligen Format bleiben sollten. Nicht umsonst hat eine Vinylschallplatte zwei Seiten, auf der jede Seite ihre eigene Dynamik besitzen sollte.
Doch ich habe in den letzten Jahren ein wenig umgedacht. Der Grund war der große Erfolg meines Romans „The Last Romantic“, in dem ich meine Erlebnisse und den Zeitgeist der 80er Jahre reflektiert habe.
Erstaunlicherweise hat das Buch gerade in Dänemark die ganz junge Generation erreicht. Teenager, die die 80er nur als Revival erlebt haben.
Und ich erlebe es bei meinen Konzerten, dass das Publikum wesentlich jünger geworden ist.
Viele von ihnen waren noch nicht einmal geboren, als ich mein erstes Album veröffentlichte – und bedauerlicherweise kennen sie nur meine neueren Alben.
Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass meine Diskographie wirklich sehr sehr lang und umfangreich ist und es für einen neuen Martin Hall-Fan extrem schwer ist, hier überhaupt einen Ansatzpunkt für sich zu finden.
Doch anstatt alle alten Alben wieder zu veröffentlichen, habe ich lange über eine Form nachgedacht, die Höhepunkte meines Schaffens chronologisch so zu ordnen, dass es nicht nur einen Sinn macht, sondern auch eine Einheit ergibt.
Okay, 5 Alben sind eine ganze Menge.
Aber jedes Album ist eine atmosphärische Einheit in sich und verschafft den Überblick über einen ganz bestimmten Aspekt und die Entwicklung meiner Karriere.
Ich habe sehr darauf geachtet, es dem Hörer bei der Masse des Materials so einfach wie möglich zu machen und das Ganze sehr verführerisch zu strukturieren und anzubieten.
Anfangen sollte man auf alle Fälle mit dem „Airplay“-Album.
Mit Songs wie „Free Force Structure“ und „Treatment“ sind darauf z.B. auch zwei Hits enthalten, die es nur als 12“-Single gab und in Dänemark sehr erfolgreich waren. Und das war mir ein persönliches Vergnügen, diese Stücke für mich wieder zu entdecken.
Für mich war das auch eine Möglichkeit, meine eigene Geschichte neu zu ordnen und zu reflektieren…“

Das wäre die nächste Frage gewesen.
Wann immer ich mit Martin Hall sprach, hatte ich stets das Gefühl, dass dieser Mann stets nach vorne schaut, ein unendliches Output hat und sich nur selten sentimentaler Retrospektive hingibt.
Mit „Catalogue“ wurde zum ersten Mal „aufgeräumt“…

Martin Hall: „Eine völlig richtige Einschätzung.
Ich hatte immer eine sehr schwierige Beziehung zu meiner Vergangenheit, vor allen Dingen zu den 80er Jahren.
Wie viele andere Leute auch besitze ich eine Hassliebe zu dieser Epoche.
Die Musikszene war wirklich sehr innovativ und intensiv, doch auf der persönlichen Basis war diese Zeit teilweise katastrophal.
Es war eine harte Zeit, viele Freunde sind gestorben, der Hedonismus und Narzissmus war teilweise destruktiv.
Doch mit dem Abstand von fast 20 Jahren haben sich viele böse Geister verflüchtigt und ich halte meine Alben der 80er Jahre mittlerweile für meine besten Werke – nicht zuletzt deshalb, weil mich mein junges Publikum wieder auf diese Sachen aufmerksam gemacht hat.
Nach langer Zeit konnte ich mich wieder hinsetzen und war in der Lage, diese Sachen überhaupt wieder anzuhören.
Gerade, weil mein eigener Abstand zu vielen Songs sehr groß war, war ich froh zu entdecken, dass viele von ihnen auch heute noch eine große Relevanz besitzen.
Diese Aufarbeitung war für mich auch ein Therapie – und diese Songs in einer Box zu ‚verschließen’ war für mich wichtig. Denn es ist auch das Ende eines Kapitels.
Jetzt kann es weitergehen.“






Gab es bei dieser Entdeckungsreise in die Vergangenheit auch Überraschungsmomente?
Empfindet Martin Hall heute einige Stücke anders als damals?

Martin Hall: „Ich bin ein Künstler mit einem extrem guten Erinnerungsvermögen.
Meine Musik ist wie ein Tagebuch. In den meisten Fällen kann ich mich noch genau an jedes Detail erinnern: Wie und wo ich den Song geschrieben habe, der Ort wo er aufgenommen wurde, welche Musiker dabei waren.
Teilweise weiß ich noch das exakte Datum der Aufnahme.
Von daher war ich nicht ‚überrascht’, da ich jeden Song noch genau im Ohr habe.
Allerdings gibt es einige Songs und Alben, mit denen ich lange Zeit Probleme hatte, vor allen Dingen mit den Alben der 80er Jahre.
Spezielle Probleme hatte ich mit dem Album ‚Presence’.
Es war das erste dänische Album, das 1988 mit einem Fairlight Computer produziert wurde. Ein sehr kommerzielles, aber auch sehr orchestrales Popalbum.
Es wurde ein massiver Hit, für den ich mehrere goldene Schallplatten bekam.
Die Singles dieses Albums ‚Beat Of The Drum’ und ‚Surreal Thing’ sind übrigens auf dem ‚Airplay’-Album zu hören – und gerade diese zwei Stücke hatte ich seit Jahren nicht mehr angerührt, weil der Erfolg von ‚Presence’ damals für mich zu einem Albtraum wurde.“

Warum?
Gerade Martin Hall hatte doch immer den Vorzug, ein kommerziell erfolgreicher Popstar in Dänemark zu sein, zugleich ein hofierter, anerkannter Avantgardist, der nie mit Credibility-Problemen zu kämpfen hatte.
Besser kann man es doch eigentlich nicht treffen….?

Martin Hall: „Vom künstlerischen Standpunkt aus ist dies ohne Zweifel ein großer Vorteil.
Ich kann eigentlich machen, was ich will; es wird gehört und respektiert.
Ich stehe auch nicht morgens auf und sage mir ‚heute produziere ich ein kompliziertes Avantgarde-Stück’.
Meine Popalben der 80er waren eigentlich eine persönliche Reaktion auf meine eigenen Industrial-Alben, von denen ich irgendwann genug hatte und bewusst etwas Poppiges machen wollte.
Der Erfolg der Popalben hat mich allerdings erdrückt.
Das Poppublikum und die ganze Maschinerie hinter dem Popgeschäft ist völlig krank und idiotisch und ich habe mich da nie zuhause gefühlt.
Du kannst nicht als Künstler überleben, wenn du nur noch von wirklich beschränkten Geschäftsleuten umgeben bist, die nicht das Geringste mit deiner Musik anfangen können.
Das hat dann auch dazu geführt, dass ich meine Musik dieser Periode lange Zeit nicht ertragen konnte, weil sie mit wirklich negativen Begleitumständen verbunden war.
Ich habe in dieser Zeit sehr viel Geld verdient, auch als Songschreiber für andere Sänger, doch als ich meine erste goldene Schallplatte in der Hand hielt, wusste ich, dass ich nicht mehr so weitermachen kann, dass ich mich dieser Popmaschinerie, die keine Freiheiten zulässt, wieder entziehen muss.“

Wie sah dieser Entzug aus?

Martin Hall: „Ich habe einfach das gemacht, was ich wollte, bin wieder experimenteller geworden und habe mich als Sänger im Hintergrund gehalten.
Auch wenn Alben wie Random Hold nur einen Bruchteil von dem verkauft haben, was mir ‚Presence’ einbrachte, so bin ich dennoch glücklich, denn diese Werke repräsentieren mich.
Ich bin jetzt seit 30 Jahren in diesem Geschäft und ich bin Musiker in einem relativ kleinen Land wie Dänemark.
Mein großer Vorteil ist, dass die Leute mich hier kennen und mittlerweile wissen, dass ich nur das tue, was ich wirklich will – und mir dafür Respekt zollen.
Ich muss mich nicht rechtfertigen, wenn ich eine Popschnulze aufnehme, ich muss mich nicht erklären, wenn ich Industrial-Krach veröffentliche.
Und für einen Künstler ist eine solche Außenwahrnehmung ein wahrer Segen!
Mir ist es mittlerweile völlig egal, dass ich mit dieser Haltung eventuell weniger Geld verdiene.
Ich möchte, dass meine Musik die Zeit überdauert.
Dafür lebe ich.“



Doch gerade diese stilistische Vielfalt und Hakenschläge machen es für den unbedarften Hörer oft schwer, den Kosmos Martin Hall auch nur ansatzweise zu greifen.
Ein gutes Bespiel dafür ist die wenige Wochen vor „Catalogue“ veröffentlichte Single World On A String, deren 6 Stücke jeweils eine Facette ausleuchten aber keine Einheit zu bilden scheinen – und somit im Kleinkosmos repräsentativ für die komplette „Catalogue“-Box ist…

Martin Hall: „Ich kann mich noch sehr gut an eines unserer früheren Interviews erinnern, in dem ich dir erzählte, dass ich klassisch mit Musik von Igor Strawinsky erzogen worden bin und 1977 dann ‚God Save The Queen’ von den Sex Pistols hörte – und versuchte, das beides unter einen Hut zu bekommen.
Mein Vorbild sind einerseits Leute wie Leonardo Da Vinci. Für diese Leute gab es keine Grenzen, das waren Universalgenies. Da Vinci war Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Biologe, Mechaniker, Ingenieur, Naturphilosoph und Erfinder. Letztendlich repräsentiert er einen globalen Kunstbegriff, der sich nicht mit kleinkarierten Schubladendenken aufhält.
Andererseits findest du diesen megalomanen Gesamtanspruch aber auch bei den großen Rock- und Punkbands wie den Doors, Ramones oder Sex Pistols: ‚We Want The World And We Want It Now!’.
Genau diese Mixtur aus Genie und anarchischen, juvenilen Größenwahn hat mir immer sehr gelegen.
Und wenn man Martin Hall entdecken möchte, sollte man sich ihm vielmehr philosophisch nähern und die Musik für einen Moment außer acht lassen.
Martin Hall ist für mich selbst ein Puzzle, dass immer noch nicht komplett zusammen gefügt wurde – das wurde mir bei der Zusammenstellung von ‚Catalogue’ sehr deutlich.
Wenn ich eine Erkenntnis bei der Kompilation von ‚Catalogue’ gewonnen habe, dann die, dass ich nicht länger ein ‚Rock’n Roll-Künstler’ sein möchte.
Ich weiß nicht, ob ich je das war, was man ‚Rock’n Roll’ nennt.
Wahrscheinlich nicht.
Als ich die ‚Catalogue’ anhörte, wurde mir klar, dass ich keine Stücke wie ‚World On A String’ mehr aufnehmen werde.“



Dafür repräsentierte das Album „Encore“, auf dem er mit den Dänischen Chamber Players seine schönsten Songs kammermusikalisch aufbereitet, das, was wir von Martin Hall in Zukunft erwarten können…

Martin Hall: „ Das ist mein Lieblingsalbum von ‚Catalogue’.
Ich werde wieder orchestraler. Ich liebe es, mit fantastischen Musikern wie den Dänischen Chamber Players zu arbeiten.
Sie haben nie zuvor mit einem Popmusiker gearbeitet.
Alles auf diesem Album ist live und ein Streifzug durch meine ganze Geschichte. Es ist der perfekte Abschluss und zugleich ein Ausblick auf das, was ich in Zukunft noch vertiefen möchte.
Oder, um deine Frage von vorhin aufzugreifen: Wenn jemand wissen möchte, wer Martin Hall ist, sollte er sich das ‚Encore’-Album sehr genau zu Gemüte führen.“


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