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Interviews : Celluloide Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 17.12.2007 13:58 (6140 x gelesen)



Celluloide

Oftmals gibt es doch noch Überraschungen.
Wer glaubt, anspruchsvolle Minimal-Elektronik sei tot – oder gar ein kulturelles Vorrecht der englischen und deutschen Popkultur , wird mit dem französischen Trio Celluloide eines Besseren belehrt.
Mit Passions & Exitements und Naphtaline erschienen jetzt gleich zwei perfekte Pop-Alben, die den Geist des frühen Daniel Miller aufleben lassen…

Das Revival alter analoger Musikmaschinerien ist nun wirklich keine Errungenschaft des neuen Jahrtausends.
Zahllose Bands – in Deutschland allen voran Welle:Erdball – haben ihre gesamte Karriere auf die Ästhetik und den Stil analoger Instrumente und Technologien wie den Commodore C 64 aufgebaut – dennoch ist ihr Stil klar definiert und fußt nicht zuletzt auf große Vorbilder wie Kraftwerk.

Die Herangehensweise von Celluloide ist da schon etwas differenzierter:
Aufgewachsen mit Bands wie The Cure, Depeche Mode, aber auch Dead Can Dance oder Lush, steht bei ihnen in erster Linie der Popsong im Vordergrund, der bis auf die Knochen von allen überflüssigen Elementen befreit wird, bis zum Schluss nur noch die nackte Basis vorhanden ist, die dann auch noch extrem lasziv, vokalistisch nahezu unbeteiligt veräußert und umgesetzt wird. Vordergründig…




Celluloide zeitlich zu orten, fällt aufgrund der konsequenten analogen Minimal-Ästhetik in der Tat sehr schwer.

Gleichzeitig fehlt der Musik jeglicher nostalgischer oder retrospektiver Aspekt – Stil und Reduktion sind die Schlüssel, die diese Musik leben lassen.

Dazu Celluloide-Musiker U-0176

U-0176: „Wir kamen alle aus unterschiedlichen Bands.
Als wir uns zusammen taten, war die Synthesizer-Musik der 80er Jahre unsere Basis.
Von Anbeginn wollten wir jeglichen Anachronismus vermeiden und moderne Musik auf alten Instrumenten produzieren.
Das war die Herausforderung. Vor allen Dingen wollten wir die üblichen Klischees umgehen und trotz der Reduktion auf das Wesentliche Elemente hinzufügen, die dieser Art von Musik eventuell noch eine neue Dimension hinzufügt.
Die Leute, die den Elektro-Pop in den 80er Jahren ‚erfanden’, egal ob Daniel Miller oder Depeche Mode, haben nicht genug nach allen Möglichkeiten geforscht und den ursprünglichen Stil verwässert. Entweder, weil es neue Instrumente gab, oder sie einfach mehr Geld verdienen wollten.
Wir verstehen uns nach wie vor als Underground-Band. Wir lieben diese Art elektronischer Musik.
Wir werden diesen Pfad nicht verlassen, sondern innerhalb der uns selbst gesetzten Restriktionen das Maximum heraus holen.“





Welche Instrumente benutzen Celluloide?
In dem Video zu “Make Things Last” ist davon nicht viel zu sehen…

U-0176: „Was wir für Equipment benutzen, verraten wir nicht.
Den Commodore C 64 sicherlich nicht…
Das Video war übrigens ein Witz. Jeder hat erwartet, dass wir dort jetzt unser ganzes analoges Equipment auffahren, aber wir haben genau das Gegenteil präsentiert.
Wir würden z.B. auch nie mit großen Motorrädern angeben, um billigen Eindruck zu schinden.
Wir sehen uns nicht im Wettbewerb mit anderen Bands. Wir benutzen das, was wir brauchen. Auch digitales Equipment. Doch wir vermeiden die einfache Arbeitsvariante, wir verzichten z. B. grundsätzlich auf Loops.“

Obwohl Celluloide eine französische Band sind, werden fast alle Songs in englischer Sprache vorgetragen.
Dennoch ist die französische Herkunft und Attitüde in der stilistischen Pedanterie und der gleichzeitigen Laszivität des Vortrags unübersehbar…

U-0176: „Ich verstehe, was Du meinst. Wir sind ja auch stark von französischen Bands wie Resistance beeinflusst.
Die frühen französischen elektronischen Bands haben sich schon immer sehr stark von den deutschen und englischen Bands abgegrenzt.“

Dennoch gibt es in Frankreich kaum eine elektronische Popkultur. Skurille One-Hit-Wonder wie Lio waren die Ausnahme – und die kam zu allem Überfluss auch noch aus Belgien…
So wurden Celluloide mit den Bands groß, denen sie auf dem Album Naphtaline ein Denkmal gesetzt haben:
Es enthält ausschließlich Cover-Versionen, darunter Songs von Dead Can Dance, The Cure, Sisters Of Mercy, Lush, Camouflage, Boytronic – und natürlich Depeche Mode…

U-0176: „Wir sind uns natürlich bewusst, dass es einige Bands gibt, die dasselbe Feld beackern wie wir. Welle:Erdball wäre da z.B. ein Name – aber wir kämen nie auf die Idee, wie sie, einen nahe liegenden Song von Kraftwerk originalgetreu zu covern.
Unsere Wurzeln reichen zurück bis in den Gothic-Rock – darum haben wir auch ‚Three Imaginary Boys’ von The Cure oder ‚Alice’ von den Sisters Of Mercy gecovert.
Das war wirklich eine Herausforderung, weil diese Songs in diesem Klangkontext noch nie präsentiert wurden.
Für mich standen Bands wie Lush immer gleichberechtigt neben Heroen wie Depeche Mode.
Wenn man sich dem minimalistischen Sound verschreibt, sollte man kulturell dennoch immer über den Tellerrand schauen.“

Besonders bemerkenswert ist die Version des Depeche Mode-Songs Somebody, das auf dem Intro eines anderen Depeche Mode-Songs, nämlich „Photographic“ aufgebaut wurde.

U-0176: „Wir können nicht mit Depeche Mode konkurrieren. Dennoch ist für uns das erste Album ‚Speak And Spell’ immer noch ein Meilenstein.
Es wäre wenig sinnvoll gewesen, sich mit Depeche Mode zu messen, indem man einen ihrer Songs zu dicht am Original nachempfindet.
So haben wir eines der weniger elektronischen, Piano dominierten Stücke gewählt und es nach dem Vorbild eines extrem elektronischen Depeche Mode-Songs aufbereitet.
Und was lag da näher, als ‚Photographic’ zu wählen.“





Noch beeindruckender als “Naphtaline” ist das Album Passions & Exitements, das ausschließlich eigene Kompositionen enthält und mit Tracks wie „Make Things Last“ oder „Translation Of Love“ dem perfekten Popsong sehr nahe kommt…

U-0176: „Bei diesem Album stand der Song immer im Vordergrund.
Wir haben unseren Stil derart verinnerlicht und verselbstständigt, so dass die Ausführung mittlerweile Kosmetik ist.
Was nicht heißt, dass wir Klänge und Produktion vernachlässigen – aber der Song und die zu transportierende Emotion haben nach wie vor an erster Stelle zu stehen.“

Einer der Höhepunkte des Albums ist das melancholische Photophobia

U-0176: „Die Hauptsache ist doch, Emotionen zu transportieren.
Celluloide ist eine Herzensangelegenheit, wir spielen kein cleveres semantisches Spiel.
Wir haben nicht vor, die Welt zu retten. Wir machen Popmusik, aber wir wissen, was Popmusik bedeutet.
Sie hat einen hohen Wert für uns und wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst.
Und wir lieben die Melancholie in der Popmusik.
Eine Melancholie, die ohne Metaebenen oder subtile Spielereien auskommt, sondern direkt und unvermittelt funktioniert.“




Was für ein Publikum haben Celluloide in Frankreich?

U-0176: „Unser Live-Video von ‘Translation Of Love’ wurde in Belgien aufgenommen.
Ich denke, allein dieser Umstand ist schon die Antwort auf Deine Frage.
Es gibt keine Tradition des minimalistischen Elektro-Pops in Frankreich.
Es ist entweder Hip-Hop oder Dance.
Unsere Art von Minimal-Pop hatte noch nie ein großes Publikum.
Wir haben zwar eine kleine, loyale Fan-Basis, aber wenn wir nicht im Ausland auftreten und dort unsere Alben verkaufen könnten, würde es die Band schon lange nicht mehr geben.“

Umso erstaunlicher, weil auch deutsche elektronische Musik in den 70er und 80er Jahren mit Vertretern wie Klaus Schulze oder Tangerine Dream in Fankreich populärer waren als in ihrer Heimat.

U-0176: „Das sind zwei völlig unterschiedliche Szenerien.
Schulze und Tangerine Dream waren nie Pop, das war eher ein intellektuelles Vergnügen für die heute ältere Generation.
Wenn Du heute in Frankreich als Popmusiker antrittst, wirst Du leider nicht ernst genommen.
Komischerweise gilt das nicht für Industrial und Hip-Hop…“

Celluloide-Homepage


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