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Interviews : Untoten Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 22.10.1999 17:13 (4731 x gelesen)

Untoten


Oftmals ertappt man sich, von Vorurteilen geleitet zu sein.
In der von Klischees und Oberflächlichkeiten dominierten sogen. ?Gothic?-Szene vermutet man bei einer Band namens Untoten und einem mit ?Schwarze Messe? betitelten Album natürlich die schlimmsten, schon zigfach origineller gehörten, dräuenden Klänge....!
Aber beim Anblick des Deine Lakaien-Album ?Dark Star? hatte ich dieselbe Reaktion ? bevor ich das Album hörte ? und wurde schnell eines besseren belehrt.

So auch im Fall der Untoten.







Trotz des plakativen Titels und Artworks ist ?Schwarze Messe? ? gerade nach dem Vorgänger "Nekropolis" eine beachtliche Steigerung und zeugt von einem immensen Reifeprozeß. Vergleicht man es mit den früheren Arbeiten, so hat man das Gefühl, daß es keine "Bandarbeit" im üblichen Sinne ist, sondern ein konzeptionell streng strukturiertes Werk, bei dem der atmosphärische Gehalt mehr im Vordergrund steht, als "szenegerechte" Songs oder egomanische instrumentelle Finesse.
?Schwarze Messe? ist somit kein Abbild etwaiger Liveauftritte, sondern ein ebenso ambitioniertes wie mutiges, filmisches Werk...

David: ? ?Schwarze Messe? entstand aus einer ernsthaften Beschäftigung mit den folgenden Themen: Sind wir wirklich so böse, wie die Leute glauben ? Sind wir nicht tatsächlich Antichristen? Unser abgedrehtes, zugekokstes und versponnenes Image entspricht nämlich zum Teil der Wahrheit. Wir leben ?untot?, wir arbeiten ausschließlich an unseren Künsten.
Die ?Schwarze Messe? handelt von Glaubensfindung. Auch Ausgestoßene wollen glauben.
Und die "Schwarze messe" ist ehrlich, nicht trotz sondern wegen seines plakativen Titels!?

Obwohl die Untoten immer noch als Dark Wave-Band gehandelt werden
sind sie weit mehr als das: Das Klangbild sprengt die üblichen Genregrenzen , das übliche songorientierte, überkommene Zusammenspiel von Bass, Gitarre, Drums ist hier gottseidank nicht zu finden. So gesehen sind die Untoten eher ein extrem eklektisches Projekt, das eine Unmenge vorhandener Sounds und Elemente gefühlvoll und clever kompostiert.

Greta: ?Die Welt im ausgehenden Jahrtausend ist Eklektizismus pur! Alles strömt auf uns ein. Britney Spears trifft auf Schuberts Winterreise. Diese Extreme erklären dann auch unseren Bezug zur Musik. Manche finden unseren Stil sonderbar . Ich dagegen finde es sonderbar, sich nur auf eine Sache zu beschränken. Entweder man verleugnet sich, oder gibt zu, nicht sonderlich aufmerksam und interessiert an der Welt zu sein. Ich finde es aber auch in Ordnung, sich abzukapseln, um seine eigenen Sounds, seine Klangfarbe zu finden.?

"Schwarze Messe" klingt in der Tat wie ein Soundtrack, ist "filmisch" dicht und homogen strukturiert
wie ein akustischer Film.
Welches cineatisches Szenario würde den Untoten für die "Schwarze Messe"
vorschweben?





David: ?Film interessiert uns natürlich sehr. Wir lieben ?Apokalipse Now? ebenso wie ?Running Man? .Wir verzehren alles. Unser Album selbst zu verfilmen haben wir derzeit in Planung und es wird so sein, daß uns ein gar nicht mal unbekannter Regisseur dabei unterstützen wird!
Der Film würde den Leuten aber nicht gefallen. Für die einen wird das Material zu explizit ,den anderen zu plakativ sein ,und der dritte wird sich selbst darin finden.
Für ?Schwarze Messe? müßte es etwas Großes sein: 5oo Mönche schlagen Gebeine währenddessen die Hohepriesterin Greta die Kirchenfenster zur Explosion bringt. Wer möchte das verfilmen!??

Schon der Vorgänger "Nekropolis" war ein Werk über Berlin um die Jahrtausendwende - und auch "Schwarze Messe" ist ein extrem europäisches, wenn nicht gar deutsches Album, in das auch Vaudeville ? und Cabaret- Elemente des Berlins der 20 Jahre einfließen. Zudem gemahnt Gretas Stimme nicht von ungefähr an die von Marlene Dietrich...
Zufall oder Absicht..?!
David: ?Wir leben und arbeiten in Berlin, und wenn uns dieses Klischee auch manches Mal
zum Halse raushängt und droht, obsolet und all zu plakativ zu werden ,besitzt diese Stadt eben diese Stimmung. Nimm Fritz Langs ?Metropolis? . Ich bin froh, die Inspiration aus einer Stadt zu ziehen, und endlich einmal wieder eine deutsche Tonkunst kreieren zu können.?

5) Dennoch gibt es auch andere, deutliche Bezüge : "Church Of Littleton" scheint ein mehr oder weniger verschlüsselter Kommentar zu den jüngeren Geschehnissen in dieser amerikanischen Kleinstadt zu sein.

Greta: ?Kein Kommentar, sondern die Frage, ob das Böse auf Orte beschränkt ist? Gibt es eine Affinität eines sog. Satans zu bestimmten Orten? Littleton steht als Synonym dafür...und im übrigen..wir haben schon immer schwarze Trenchcoats getragen!?

Wie viele ihrer Kollegen auch, spielen die Untoten massiv mit ?Gothic?- Klischees.
So erfüllt auch das Artwork jeden "szenegerechten" Anspruch - vom Totenkopf bis hin zum Pentagram.
Die musikalische Feinarbeit steht allerdings im krassen Gegensatz zu den Oberflächlichkeiten vieler anderer Protagonisten und dem Gros der Szene.

Greta: ?Man selbst ist nicht auf der Suche nach einer Szene, die Szene findet dich.
Unsere Heimat ist eindeutig die Gothic/Dark Wave- Szene
Das hat im übrigen wenig Bezüge zu den glorreichen Achtzigern, sondern ist vielmehr
Jahrhundert übergreifend: Jack the Ripper, die Medien, Frankenstein, die Wissenschaft,
Seancen, Diktatur oder Individualismus.. Wenn ich mich nicht täusche ging es darum auch in der sog. Gothic Bewegung im letzten Jahrhundert...
Die dunkle Seite wird von der Gesellschaft oft als etwas abwegiges bezeichnet. Trotzdem ? oder vielleicht
gerade deshalb - haben es sich Künstler zu keiner zeit nehmen lassen ihre Sicht auf die dunkle
Seite zu offenbaren, sei es Bosch, Poe, Schubert oder Dante.
Heute ist das genauso, es gibt Leute, für die lustige Seite des Lebens: Hamburger Schule, Tekkno,
Fernsehen und Radio - und es gibt die andere Seite..
Die Szene im allgemeinen geht mir nur auf die Nerven, wenn sie andauernd darum bemüht ist,
zwar Gothic genannt werden zu wollen ,aber ständig beweisen muß, daß sie es eigentlich nicht ist.
Wir lachen auch, gehen dazu aber immerhin in den Keller!


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