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Interviews : Depeche Mode Druckoptimierte Version Schicke den Artikel an einen Freund
Geschrieben von Ecki Stieg am 10.12.1997 15:18 (3192 x gelesen)

Depeche Mode



"Kannst Du mich da nicht mitnehmen?" Unschuldige, flehende Rehaugen betteln um das, was auch heute für so manchen Teenager das höchste Glück wäre: Ein Treffen mit Martin Gore und Dave Gahan von DEPECHE MODE.

1984 stand ich derartigen Begehrlichkeiten ebenso überrascht wie fast verständnislos gegenüber, wie heute.

Hätte es sich um ein Interview mit wirklich charismatischen Persönlichkeiten wie Marc Almond oder David Sylvian gehandelt, hätte ich die Euphorie verstanden, doch der bläßliche, vordergründige Appeal von DEPECHE MODE war mir bereits Anfang der 80er Jahre ein Rätsel (siehe dazu auch mein Essay "Fast Fashion ? Tanz Dich tot mit Depeche Mode").

Die Band selbst ist daran nicht unschuldig. Oft genug haben es Interviewpartner geschafft, das "negative" Bild, das ich von ihnen hatte, allein durch ihre Ausstrahlung, ihre Präsenz und nicht zuletzt durch Intelligenz und Charme ins Gegenteil zu verkehren. DEPECHE MODE ? allen voran Martin Gore ? haben jedoch das oberflächliche, dennoch verzweifelnd um Credibility buhlende Image einer im schlechtesten Sinne "modischen" Band nie revidieren können. Das mag auch mit meiner Sicht der Dinge zu tun haben, denn ich habe in DEPECHE MODE nie mehr gesehen als eine solide, simple Popband, die nicht mehr Tiefe und Charisma besitzt als Erasure z.B. (und die, gerade weil sie dieses Bild mit bemühter Vehemenz verändern wollte, mehr verlor als sie hätte gewinnen können!) , die aber weit davon entfernt und fähig ist, die Last und Bürde zu tragen, mit ihren vordergründigen, berechnenden und schemenhaften Texten die Ikone gleich zweier Generationen zu sein.

Ich habe DEPECHE MODE des öfteren interviewt ? zuletzt zu ihrem 93er Album "Songs Of Faith & Devotion" ? meine erste Begegnung fand im Oktober 1984 in Bremen statt, als sie in der damals noch existierenden Sendung "Musikladen" ihren Hit "Master & Servant" zum Besten gaben.

Das Interview erschien im November 1984 in der Zeitschrift "Schaumburger News", für die ich von 1982 bis 1986 als Redakteur tätig war.

Das folgende Interview und der Text sind das Originalmanuskript von 1984, hinter dem ich auch heute noch ohne Scham stehe (auch wenn man viele Dinge heute anders formulieren und die Frage "Sind DEPECHE MODE Sozialisten?" 1997 mit Sicherheit nicht mehr über die Lippen bringen würde!) Der Artikel repräsentiert zudem sehr treffend die konsequente, "hedonistische" Attitüde der damaligen Epoche...!



"Ich wähle meine Freunde nach ihrem guten Aussehen, meine Bekannten nach ihrem guten Benehmen und meine Feinde nach ihrer Intelligenz"
(Oscar Wilde)

"I can?t understand what makes a man hate another man. Help me unterstand!" (Depeche Mode)

So ist das eben! DEPECHE MODE sind das, was man ohne lange zu zögern als eine neue, zeitgemäße, moderne Band bezeichnen kann; Freund und Feind sind sich dessen wohl einig.

DEPECHE MODE sind jung, naiv ? doch scheinbar nicht mehr so jung und naiv, um sich allein so elementaren Fragen zu widmen, was die Freundin jetzt wohl gerade macht oder ganz allgemein über den Sinn der Liebe ("The Meaning Of Love") zu sinnieren, sondern sie begeben sich auch die große Suche nach dem SINN.

Den Sinn des Lebens, des Liebens und des Leidens ? und nach einer Zeit solchen gedanklichen Tuns dauert es auch nicht lange, bis sich die Fragen nach Krieg und Frieden aufdrängen. Warum sind die Menschen so böse zueinander? Warum können sie nicht in Frieden und Eintracht harmonisch zusammenleben? "What makes a man hate another man?" DEPECHE MODE sitzen also zu Hause in ihrem Studio, blicken der bösen Welt ins Auge und können gar nicht verstehen, daß alles so schlecht ist und daß alle Leute so böse zueinander sind. Der einzige Weg, solche Gedanken zu verarbeiten und zu verbreiten ist der künstlerische Weg. DEPECHE MODE schreien ihre Fragen in die Welt ?und wer weiß, vielleicht ändert sich ja etwas...?!

Solche Gedanken ? und noch schlimmer: ihre plakative Aufbereitung sind natürlich schlimmstes Hippie-Gut. Doch kann man das DEPECHE MODE eigentlich zum Vorwurf machen? So jung wie sie sind kennen sie wahrscheinlich nichts anderes als Musik der 70er, wie Roxy Music, Bowie und Glam, die solch hochgeistige Fragen immer geschickt auszuklammern wußten (rückblickend eine nicht ganz korrekte Bewertung, denn Roxy Music oder Bowie haben derartige Themen nur anders, weitaus subtiler behandelt). DEPECHE MODE denken wahrscheinlich wirklich, daß ihre Gedanken NEU sind. Als anachronistisch und hippiehaft verschriene Schergen wie Lou Reed sind in solchen Punkten schon einen Schritt weiter. Krieg und Frieden, was soll das? Lou sieht die Atombombe als willkommene Abwechslung an, weil man dann die Möglichkeit hat, in die Sonne zu fliegen ("Fly Into The Sun"). Und überhaupt- warum sollen sich alle Menschen lieben? Diese "wir-sind-alle-Freunde"-Mentalität ist verlogen und vor allen Dingen langweilig. Wenn es keinen Haßmehr unter den Menschen gibt, würde das zum Stillstand und zu einem Mangel an Kreativität führen. Haß gibt ungeahnte Impulse, die man aber erst einmal entdecken muß. Warum haben DEPECHE MODE Angst vor der Atombombe? Vielleicht, weil dadurch ihr Make-Up verschmiert werden würde...

Martin Gore ist derjenige in DEPECHE MODE, den man als geistigen, denkenden Kopf bezeichnet. Er hat die grandiosen Ideen, hinter denen der Rest der Band natürlich steht wie eine Eins. Introvertiert, stark geschminkt, schüchtern, fast verstört stotternd gibt er sich in der Gesprächssituation, die für ihn sichtlich ein philosophischer Akt ist....

Natürlich komme ich nicht umhin, ihn nach seinen politischen Intentionen zu fragen; ich weiß auch, daß DEPECHE MODE in ihrem ständigen Bemühen um mehr Ernsthaftigkeit diesem Thema mehr als aufgeschlossen sind.

Im Gegensatz zu ihren ersten beiden, pur poporientierten Alben "Speak & Spell" und "A Broken Frame" wurde der Wechsel zu den Themen Politik und Ernsthaftigkeit auf dem dritten Album "Construction Time Again" recht radikal vollzogen und fand ihren vorläufigen Höhepunkt in den beiden neuen Singles "People Are People" und "Master & Servant". Ist "People Are People" naivster politischer Plakatismus, so wollten es DEPECHE MODE mit "Master & Servant" dem jungen Hörer schon etwas schwerer machen und die Aussage etwas "subtiler" verpacken

MARTIN GORE:
Die oberflächliche Bedeutung des Songs ist sexueller Natur, er wird aber auf eine politische Ebene transferiert

Im Bett so wie im Leben gibt es Herren und Diener. Wahrhaft subtil, sehr schlau!

Aber natürlich wollen DEPECHE MODE nicht als rein politische Band gelten, sondern die ganze Bandbreite aufwühlender Themen abdecken.

MARTIN GORE:
Die Thematik ist sehr variabel. Besonders auf unserem neuen Album "Some Great Reward". Manche Songs können immer noch als einfache Lovesongs gelten, aber ich bin ehrlich, schreibe über das, was ich fühle. Ich setze mich nicht hin mit der Überlegung oder der Intention, einen politischen Song zu schreiben.
Viel Wert legen DEPECHE MODE auf die Gestaltung ihrer Cover, die nie die Band selbst zeigen, sondern stets stimmungsvolle Bilder. Bei den ersten beiden Alben noch romantisch, verworren und surrealistisch ("um die Stimmung der Songs wiederzugeben", so Martin Gore), auf "Construction Time Again" brachial und monumental : ein hammerschwingender Mann in typischer plakativ-sozialistischer Arbeiterpose.

MARTIN GORE:
Viele Themen auf "Construction Time Again" waren sehr sozialistisch, allein das sollte das Cover repräsentieren
Ähnlich aufgesetzt wie das Cover waren die wie eine futuristische Version von Brecht/Weil-Liedern anmutenden Songs wie "Pipeline". Die 84er Version der "Arbeitereinheitsfront"? Sind DEPECHE MODE Sozialisten?

MARTIN GORE:
Nicht wirklich, wir folgen keiner bestimmten politischen Richtung, obwohl unsere Ambitionen und Ansichten schon in diese Richtung gehen!
Natürlich. Und bei all den aufgesetzten politischen Aussagen und plakativer "Politik" passiert etwas, das DEPECHE MODE in ihrem Glauben bestärkt, eine wirklich subversive politische Aussage formuliert zu haben: Ihr mit zahlreichen militaristischen Accessoires ausgestattetes Video zu "People Are People" wurde mißverstanden! "Sind DEPECHE MODE für Krieg?" fragten sich die kleinen Mädchen und Jungs bestürzt und konnten?s gar nicht so recht fassen....

MARTIN GORE:
Der Grund, warum es hier so viele mißverstehen ist, daß sie die Texte nicht verstehen können. Doch wir können nichts dafür!
Mann, wo bleibt da die politische und menschliche Verantwortung? Wenn die DEPECHE MODE Fans jetzt auch noch das Video zu "Master & Servant" mißverstehen, werden wohl bald alle kleinen Jungs mit wundgepeitschten Rücken die Schulbänke drücken...

Doch zurück zur Musik. Nach ihren eher konventionellen Synthipopsongs der Anfangsphase haben sich DEPECHE MODE mit den letzten beiden Singles zu brachialen, metallenen Klangbildern hinreißen lassen. Entwicklung?

MARTIN GORE:
Wir wollen uns selbst nicht in irgendeiner Weise eingrenzen. Es wäre sehr leicht gewesen "Construction Time Again" Teil 2 zu machen, aber wir entwickeln uns weiter. Wir wollen unsere Fans nicht schocken, wir wollen nur etwas machen, das man von uns nicht unbedingt erwartet. Die nächsten zwei Singles sollen zwei sehr langsame Stücke werden, was sich wieder viele Leute verwundern wird, nach den tanzbaren, harten Nummern.
Wie erklären sich DEPECHE MODE ihren immensen Erfolg gerade in Deutschland ("People Are People war 1984 Platz 1 in den Single-Charts!)

MARTIN GORE:
Wir haben unseren Erfolg stufenweise aufgebaut. Wir haben aber nicht gedacht, daß "People Are People" ein Nr. 1-Hit werden würde. Das war schon eine Überraschung. Bis jetzt kamen unsere Singles immer nur bis Nr. 20, aber unsere Alben, vor allem "Construction Time Again" und unsere Tourneen waren dafür besonders in Deutschland immer sehr erfolgreich, auch ohne Hit.
In den Anfängen, besonders beim ersten Album "Speak & Spell" war der später bei Yazoo und heute recht erfolglose Vince Clark (erst ein Jahr später, 1985, gründete Vince Clark die auch heute noch erfolgreichen Erasure!) der künstlerische Kopf der Band. Nach seinem Weggang glaubt kaum jemand, daß sich DEPECHE MODE noch einmal zu größeren Taten aufraffen würden. Daß sie es trotzdem, mit noch größerem Erfolg geschafft haben, gibt ihnen übersteigertes Selbstvertrauen.

"Die Leute haben sich eben kräftig geirrt,"

sagt Martin Gore nicht ohne eine gewisse Genugtuung in der Stimme....

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