Fixmer/McCarthy

Datum 18.06.2004 10:00 | Thema: Interviews



Fixmer/McCarthy

Totgesagte leben manchmal nicht nur länger – sondern kommen mit einer Kraft und juvenilen Frische zurück, die man von ihnen nicht mehr erwartet hätte.

Nach Skinny Puppy und DAF ist auch ein anderes Urgestein wieder unter uns: Douglas McCartthy – neben Bon Harris die treibenden Kraft hinter Nitzer Ebb.

Zusammen mit dem Techno-Musiker Terence Fixmer hat er unter dem schlichten Etikett Fixmer/McCarthy mit „The Devil Between…“ ein Album veröffentlicht, das nicht nur alte Nitzer Ebb-Fans überzeugen dürfte.

Dass Douglas McCarthy nichts verlernt hat, das bewies er bereits bei dem fulminanten Auftritt beim diesjährigen WGT in Leipzig.

Endlich ein Comeback, das ein wirklicher Neustart ist.
Bevor wir ins Eingemachte gehen, ein paar Worte zu der Band, mit der Douglas McCarthy Geschichte schrieb.

Ein paar Worte zu Nitzer Ebb.

Gegründet 1982 in Chelmsford, Essex begannen Sänger und Gitarrist Douglas McCarthy, Bon Harris (Drums) und David Gooday (Keyboards), inspiriert vom Punk, aber noch mehr beeinflusst von deutschen Vorbildern wie DAF oder den Krupps, mit elektronischem Equipment zu experimentieren.

Nach einigen Aufsehen erregenden Konzerten in und um London, nahmen Nitzer Ebb 1985 unter der Ägide des Produzenten Phil Harding ihre erste, selbst vertriebene Single „Isn’t It Funny How Your Body Works“ auf.
Drei weitere Singles folgten, bevor die Band beim Label Mute unterzeichnete, dem sie bis zur ihrer Auflösung treu blieben.

Noch vor ihrem Debüt-Album konnten Nitzer Ebb mit den Singles „Murderous“, „Let Your Body Learn“ und „Join In The Chant“ vor allen Dingen im kontinentalen Europa Erfolge feiern.

Ihr elektronischer, harter Minimalismus, ihre parolenhaften Texte, sowie die in Wort und Klängen deutlich betonte Körperlichkeit, ließen sie vor allem in der gerade aufkeimenden EBM-Szene zu Ikonen werden.

Obwohl die Band selbst ihr Image deutlich bei Vorbildern wie DAF abgekupfert hatte und in frühen Jahren bevorzugt in Bundeswehrhemden auftrat, wurde dieses Bild von vielen europäischen EBM-Bands übernommen und kopiert.

Zudem waren Nitzer Ebb lange Zeit die einzige britische Band, deren Klänge in den fast ausschließlich von europäischen Bands dominierten und definierten EBM-Rahmen passte.

1987 erschien das Debüt „That Total Age“, das den stoischen, harten von minimalistischen Sequenzern bestimmten Stil der Singles fortsetzte. Von der Kritik eher zurückhaltend aufgenommen, entwickelte sich das Album vor allen Dingen in den Clubs zu einem Hit und gilt heute als einer der Klassiker des frühen EBM.

Zu jener Zeit trat die Band auch des öfteren in Deutschland auf, unter anderem auf ausgeprägten Tourneen im Vorprogramm von Cassandra Complex oder Depeche Mode, was die Zahl der Nitzer Ebb -Fans weiter erhöhte.

Doch schon das zweite Album „Belief“ brachte Veränderung: Zunächst verließ David Gooday die Band und wurde von Julian Beeston ersetzt, zudem wurde das Album von Flood produziert.
Trotz des immer noch bewusst limitierten Sound-Konzepts und Tracks wie „Hearts And Minds“, „Control I’m Here“ oder „Shame“, die nahtlos an das Debüt anschlossen, begannen Nitzer Ebb in atmosphärischen, Stücken wie „T.W.A.“ von den auf pure Tanzbarkeit ausgerichteten Klängen abzurücken und produzierten beeindruckende, klaustrophobische, filmische Tracks.

Ebenso wie „That Total Age“ wurde auch „Belief“ und seine Singles zu gefeierten Club-Klassikern.


Nitzer Ebb: Bon Harris, Douglas McCarthy

1989 kam auch der Kontakt mit den sich gerade wieder formierenden Krupps zustande, die neben DAF zu den erklärten Idolen von McCarthy und Harris gehörten.
Die ursprünglich als Cover-Version angedachte Neubearbeitung des Krupps-Klassikers „Wahre Arbeit, wahrer Lohn“ entwickelte sich zu einer Zusammenarbeit zwischen beiden Bands und wurde als „Machineries Of Joy“ der bis dato größte Clubhit für Nitzer Ebb:

Auf dem im Jahr darauf veröffentlichte Album „Showtime“ öffneten sich Nitzer Ebb noch mehr:

Zwar enthielt „Showtime“ mit den Songs „Getting Closer“ und „Fun To Be Had“ zwei Clubhits im bekannten Stil, doch waren diese jetzt wesentlich facettenreicher und voller produziert, der Sequenzer diente fortan nicht mehr als Stilmittel, sondern allenfalls als Rückgrat für die immer ausgefeilter werdenden Kompositionen:

So wagten sich Nitzer Ebb auf „Nobody Knows“ in Blues-Gefilde – und in „Lightning Man“ war ein Oboen-Solo zu hören.
Darüber hinaus ließ „Showtime“ erkennen, dass Douglas McCarthy mittlerweile zu einem ausdrucksstarken, manövrierfähigen Sänger gereift war, der auf geschriene Parolen und vorwiegend im Imperativ formulierte Texte in Zukunft verzichtete.

Zudem war Bon Harris mit dem Image einer „Industrial“-Band in Amerika und einer Vorzeige-EBM-Formation in Europa alles andere als glücklich.

Die musikalische Entwicklung wurde von nun an konsequenter vorangetrieben, ohne auf einengende stilistische Limitierungen Rücksicht zu nehmen.

1991 wurde zunächst die E.P. „As Is“ veröffentlicht, deren vier Songs von vier verschiedenen Produzenten (Jaz Coleman, Flood, Barry Adamson und Alan Wilder) produziert wurden.
Vor allen Dingen das atmosphärische, mit Streichern angereicherte, dramaturgisch überzeugende „Come Alive“ machte deutlich, dass Nitzer Ebb zu einer variablen Popband gereift waren.

Ebenso wie „Come Alive“ und die nachfolgende Single „I Give To You“ wurde das 91er Album „Ebbhead“ von dem damaligen Depeche Mode-Keyboarder Alan Wilder sowie von Flood produziert.

Vor allem zwischen Douglas McCarthy und Wilder entwickelte sich eine lang anhaltende Freundschaft, die u.a. auch in Douglas McCarthy’s vokalistischen Beiträgen zu Alan Wilders Recoil-Alben führte.

Leider konnte das auf „As Is“ erreichte Niveau auf „Ebbhead“ nicht gehalten werden.

Gerade wegen der Öffnung nach vielen Seiten geriet das Album zu einem teilweise überladenen, bemühten rockigen Werk. Dennoch enthielt es mit „Godhead“ und „Ascend“ zwei weitere Hits, die „Ebbhead“ in Amerika und Europa zu einem respektablen Erfolg machten.

Die nächsten Jahre waren bestimmt von internen Spannungen und einer gewissen Richtungslosigkeit.
Die Arbeiten an dem nachfolgenden Album entwickelte sich für die Band zum Albtraum: Die Band unternahm zahlreiche Anläufe, bezog mehrere Studios in der ganzen Welt, nur um die wenig befriedigenden Ergebnisse wieder und wieder zu verwerfen.

Nicht zuletzt wegen des mittlerweile aufgebrauchten Etats und auf Druck ihrer Plattenfirma wurde 1995 das finale Album „Big Hit“ veröffentlicht.

Wieder produziert von Flood, war „Big Hit“ ein betont rauhes, rockiges Album, dessen lärmender, polternder Session-Charakter deutlich machte, daß es sich bei diesem Album teilweise immer noch um Aufnahmen im fragmentarischen Demo-Stadium handelt.

Abgesehen davon, dass gerade deswegen Nitzer Ebb hier erstmals wie eine homogen arbeitende Rockgruppe klangen, hat „Big Hit“ mit spannungsgeladenen, von der Gitarre bestimmten Tracks wie „ I Thought“, „Floodwater“ und „Kick It“ zahlreiche energiegeladene Songs und neue stilistische Ansätze zu bieten.

Trotz seines Titels geriet „Big Hit“ jedoch zum Flop.

Die Band absolvierte noch eine Europa-Tournee, bei deren Auftritte Douglas McCarthy nicht selten das Publikum verhöhnte. Kurze Zeit später löste sich die Band auf.

Danach war es jahrelang ruhig – bis zum Frühjahr 2004: Die Liveauftritte von Fixmer und McCarthy dürften auch den letzten Zweifler überzeugt haben – und das Album „Between The Devil…“ ist ein energetischer Ausbruch, der zwar traditionsbewusst an die sehr frühen Klänge anknüpft, dennoch weit davon entfernt, ein retrospektives oder gar im negativen Sinne „wieder belebendes“ Werk zu sein…

Gerade wenn der Nitzer Ebb-Connaisseur auf das letzte, sehr gitarrenlastige Werk „Big Hit“ zurückblickt, so überraschen die ausgefeilten Sequencer-Attacken von „Between The Devil…“ umso mehr.

Douglas McCarthy: „ Es ist eine sehr lange Geschichte, die eigentlich mit der Produktion des letzten Nitzer Ebb-Albums ‚Big Hit’ beginnt.
Dieses Album war ohnehin eine sehr schwere Geburt, wir haben es in diversen Studios in England und Amerika aufgenommen – und keiner von uns war richtig zufrieden damit. Ich erinnere mich sehr genau, dass wir an einem bestimmten Stück – ich sage Dir jetzt nicht welches – gearbeitet haben, wo mir klar wurde, dass es so nicht weitergeht. Bon Harris und ich haben uns in jener Nacht sehr gestritten. Sowohl unserem Produzenten Flood als auch mir war klar, dass Bon Harris versuchte, etwas zu erreichen, zu dem wir nicht in der Lage waren und der Band auch nicht angemessen war. Besser kann ich es nicht ausdrücken. Als ich in dieser Nacht zu Bett ging, war mir klar, dass die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert. Dennoch habe ich mich 100%ig in die Arbeiten für ‚Big Hit’ eingebracht, hatte zugleich aber die Schnauze voll. Nicht nur von Nitzer Ebb, sondern von Musik im Allgemeinen. Auf der darauf folgenden Tour mutierten Nitzer Ebb zur Band, wir hatten einen Gitarristen und einen Drummer. Ein Konstrukt, in dem ich mich nie wohl gefühlt habe. Es gab endlose Streitereien und nach der Tour entschied ich mich, das Kapitel Nitzer Ebb endgültig zu beenden. Zu jener Zeit habe ich mich auch persönlich sehr verändert. Ich habe das Trinken aufgehört, meine Frau erwartete ihr erstes Kind – und ich wollte einfach nur bei meiner Familie sein. So habe ich den anderen Jungs klar gemacht, dass es für mich wichtiger ist, zu sehen, wie mein Kind geboren wird, anstatt weiter auf Festivals zu spielen. Das war es dann. Ich habe von keinem in der Band seitdem etwas gehört.“

Was kam danach?

Douglas McCarthy: „In den ersten Jahren, ehrlich gesagt, nicht viel. Ich habe versucht, ein Buch zu schreiben, doch nach zwei Jahren fiel selbst mir auf, dass ich eigentlich gar nichts auf die Reihe bekam. So habe ich mich entschieden, mein Leben neu zu strukturieren und habe tatsächlich angefangen, an der Universität zu studieren und beschloss, Film-Regisseur zu werden. Ich wurde Regie-Assistent – und gerade, als wie an einem Film mit John Malkovich arbeiteten, rief mich ein Franzose an, der an Remixen an alten Nitzer Ebb-Songs arbeitete. Dieser Typ war Terence Fixmer. Er war ein großer Nitzer Ebb-Fan und wollte, dass ich zu einigen Stücken die Vocals neu einsinge.“


Douglas McCarthy, Terence Fixmer

Also fast dieselbe Situation wie 1989, als Nitzer Ebb die Krupps aufsuchten, nur mit vertauschten Rollen…. ?

Douglas McCarthy: „Exakt. Und die Zusammenarbeit war ähnlich inspirierend und perfekt. Terence spielte mir seine Songs vor – und mir gefiel fast alles, was er machte. Danach besuchte ich ihn in seinem Studio in Frankreich. So wie Terence arbeitet, fiel es mir sehr leicht, meine Stimme in seine Musik zu integrieren, trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass es sich um elektronische EBM-Musik im klassischen Sinne handelt. Es hat nicht lange gedauert, bis ich vollkommen inspiriert war. Es war sehr einfach, mit Terence musikalisch und auch persönlich zusammen zu arbeiten. Wir haben denselben Sinn von Humor, alles ging sehr leicht von der Hand.“

Dennoch ist „Between The Devil…“ weit davon entfernt, ein Retro-Album zu sein.

Douglas McCarthy: „So empfinde ich es auch. In dem Teil von London, wo ich lebe, läuft in den Clubs fast nur Punk und frühe Elektronik. Doch es gibt nichts, was dem nahe kommt, was Terence und ich machen. Es ist ein Mix, in dem Sinne, wie auch Nitzer Ebb ein Mix waren aus Punk und Elektronik, doch mit einer sehr persönlichen Note.“

Würde Douglas das neue Projekt noch als EBM bezeichnen?

Douglas McCarthy: „Ich denke ja. Zumindest in Europa. Es ist zumindest kein Future-Pop, haha…“

Eine kleine Wandlung. Ich kann mich noch recht genau an späte Auftritte von Nitzer Ebb erinnern, bei denen Douglas McCarthy das Publikum als „kleine Grufties“ verhöhnte.

Wie hat er sich angesichts der zahlreichen „Grufties“ beim Auftritt auf dem „Wave & Gotik“-Treffen in Leipzig gefühlt?

Douglas McCarthy: „Es war eine fantastische Show und ein gutes Gefühl. Und ich war überwältigt von der Reaktion. Du hast recht, als wir das letzte Mal mit Nitzer Ebb in Deutschland gespielt haben, war ich frustriert und auch zynisch. Vielleicht auch deshalb, weil wir für etwas gefeiert wurden, was wir zu jener Zeit gar nicht mehr waren oder sein wollten.“

Erstaunlich auch die Tatsache, dass Douglas McCarthy fast exakt zu der Zeit zurückgekehrt ist, in der auch seine früheren Idole DAF ihr Comeback eingeläutet haben.

Sieht er sich immer noch in dieser Tradition, dieser Schule?

Douglas McCarthy: „Ich möchte diese Frage gerne in zwei Teilen beantworten.
Ich möchte nicht so klingen, als wenn ich Nitzer Ebb auch retrospektiv für eine musikalische Revolution halte. Es war ein sehr eklektischer Mix aus vielen Elementen – und DAF waren sicherlich eine der größten Inspirationen.
Doch es fällt mir auch heute noch schwer, genau zu definieren oder zu kategorisieren, was Nitzer Ebb wirklich waren und für was sie standen, nicht zuletzt deshalb, weil wir auf den 5 Alben eine extreme Metamorphose durchlebt haben.
Das war eine einzigartige Erfahrung, die man in dieser Form nur einmal durchlebt.
Wenn Nitzer Ebb hingegen nur zwei Alben, nämlich ‚That Total Age’ und ‚Belief’ aufgenommen und sich dann getrennt hätten, wäre die stilistische Definierung einfacher.
Und ‚The Devil Between…’ setzt eigentlich genau da an, wo wir mit ‚Belief’ aufgehört haben!
Im Grunde waren die ersten zwei Alben auch die wichtigsten und stilprägendsten in unserer Karriere, der Rest zum Teil Experimente, die nicht einwandfrei funktioniert haben. Und wir wissen, dass gerade die frühen Nitzer Ebb auch heute noch einen hohen Stellenwert für viele Menschen haben.“


Douglas McCarthy, Terence Fixmer


Vielleicht ist die Frage nicht ganz fair, aber dennoch: In wieweit unterscheidet sich die Arbeitsweise mit Terence Fixmer von der mit Bon Harris?

Douglas McCarthy: „Uns war es bei Nitzer Ebb immer sehr klar, dass jeder in der Band eine ganz bestimmte Funktion und Rolle übernimmt. Und als wir begannen, wollte Bon, dass ich der Sänger bin.
Bon ist unheimlich talentiert als Musiker und auch als Sänger – doch es wurde zunehmend ein Ego-Problem. Bon wollte nach und nach alles an sich reißen, er wollte der Komponist und auch der Sänger und Frontmann sein. Ich war allerdings der Sänger, die Stimme und das ‚Gesicht’ der Band – und das führte zu großem Neid, Eifersucht und Streit. Gerade weil wir so eng zusammen gearbeitet und auch jahrelang zusammen gewohnt haben, war dies ein sehr elementares Problem, das eigentlich direkt nach der Veröffentlichung von ‚That Total Age’ begann. Ich wollte eine Gleichberechtigung und auch Mitsprache bei den Kompositionen.
Mit Terence verhält es sich völlig anders. Wir arbeiten auf einem professionellen Level – und es ist uns beiden klar, dass er für die Musik verantwortlich ist. Nicht, dass ich diesen Job nicht auch erledigen könnte, doch Terence ist perfekt für diese Aufgabe. Terence möchte auch kein Sänger sein. Es ist einfach sehr harmonisch – auch auf einem persönlichen Level. Zudem kennt sich Terence perfekt in der Techno- und EBM-Szene aus. In Nitzer Ebb hatten wir weder Kontakt noch einen Zugang zu dieser Szene. Natürlich mache ich mit Terence auch heute noch die Musik, die wir möchten, doch zu reflektieren, was um dich herum geschieht, ist elementar und inspirierend zugleich. Terence weiß, wie die Leute im Club auf Songs und Sounds reagieren…“

“Between The Devil…“ klingt dabei nicht nur extrem frisch, sondern auch sehr wütend…

Douglas McCarthy: „Ich weiß. Ich bin selbst schockiert, wenn ich das Album in bestimmten Situationen höre. Es ist so intensiv. Persönlich bin ich sehr viel ruhiger geworden, lache sehr viel und bin eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch. Doch auf diesem Album ist es der Teufel, der aus mir heraus kommt…“

Das wäre denn auch der einzige Kritikpunkt an „Between The Devil…“: Auf den späten Nitzer Ebb-Alben – aber auch bei seinen Gastauftritten für Alan Wilders Projekt Recoil ist Douglas McCarthy vom puren Shouter zu einem sehr divergenten Sänger gereift.
Diese Qualitäten kann man bei den Vokalattacken auf „Between The Devil…“ oftmals nur noch erahnen….

Douglas McCarthy: „ Du hast recht, aber das war ein bewusster Schritt, den Terence und ich lange diskutiert haben.
Wir wollten es so rauh, ungeschliffen und so ungestüm wie möglich machen. Und zu dieser Produktion und den Klängen hätte kein anderer Gesangsstil gepasst. Das Album ist sehr intensiv und es schlägt Dir direkt in die Fresse. Es war nicht so strikt geplant, wie es sich jetzt anhört, doch letztendlich war es die richtige Entscheidung. Wenn ich das Album heute höre, so entdecke ich aber gleichzeitig so viele Wege und Möglichkeiten, diesen Sound und diese Attitüde in viele andere Richtungen zu entwickeln – ganz ähnlich wie seinerzeit bei Nitzer Ebb.“

Im Gegensatz zu Nitzer Ebb-Zeiten sucht Douglas McCarthy heute bewusst den Kontakt zu der Szene, in der er sich bewegt - und auch zu den Musikern.

Wie empfindet er die EBM-Szene 2004?

Douglas McCarthy: „Es war sehr schön, The Klinik beim WGT zu sehen. Sie waren großartig, obwohl ich nicht weiß, ob sie dieses Revival so ernst nehmen, wie wir. Ich fühle mich in dieser Szene sehr wohl und ich mag es, dass mich die Leute als den Sänger von Nitzer Ebb wieder erkennen.
Ich habe mich aber daran gewöhnt, dass Nitzer Ebb Geschichte sind und mir gefällt ihr Platz, den sie in der Geschichte einnehmen. Die Leute reden heute viel besser von uns, als zu der Zeit, als wir noch Musik machten.
Das größte Problem der elektronischen Musik ist der Fortschritt der Technologie. Ich bin immer noch der Meinung, dass man sich ab einem gewissen Punkt in ein professionelles Studio begeben muss, um ein vernünftiges Resultat zu erlangen. Das scheint man aber heute nicht mehr für nötig zu halten – und dies ist ein Fehler. Heute wird der Laptop aufgeklappt – und du kannst sogar die Vokals perfekt mastern. Doch der Austausch fehlt. Auf der anderen Seite ist auch diese Entwicklung okay, solange es Leute gibt, die enthusiastisch Musik machen. Und wenn sie enthusiastisch elektronische Musik produzieren, ist es noch besser!“

offizielle homepage: www.fixmermccarthy.com
deutsche nitzer ebb-fanpage: www.nitzer-ebb.de/




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