VNV Nation

Datum 25.02.2002 18:07 | Thema: Interviews

VNV Nation



Ronan Harris ist ein quirliges Kerlchen.

Stets gut gelaunt, fast überdreht, trinkfest, ohne sich nicht doch den ein oder anderen Lapsus zu leisten, habe ich ihn in den letzten Jahren vor und hinter den Bühnen erleben dürfen. Zum letzten Mal beim Zillo-Festival, als er Backstage Ronny Moorings von Clan Of Xymos als Robert Smith anpöbelte und dieser "not very amused" schien.

Doch scheinbar kann er es sich leisten.



VNV Nation haben eine beispiellose Karriere hinter sich: Vom Vorprogramm von Covenant erarbeiteten sie sich konsequent ihren Weg an die Spitze dessen, was heute gemeinhin "Future Pop" oder "Weiber Electro" genannt wird: Tanzbare, komprimierte Electro-Klänge mit simplen, ewig wiederkehrenden Strukturen und anheimelnden, triggernden Flächen.

Das 99er Album "Empires" mit den Szene-Hits "Darkangel", "Legion" oder "Standing" sowie zahllose Remixe für andere Bands, wie z.B. "Destillat" für Das Ich waren dann der endgültige Durchbruch - aber auch das längst überfällige Feindbild für alle entnervten DJs und Szenepolizisten.

Es war schwer für Freund und Feind, an VNV Nation vorbei zu kommen, auch wenn man insgeheim hoffte, dass, wenn diese Band schon weiterhin Musik machen muss, doch bitte an das anschließen möge, was sie mit einem Stück wie "Standing" bereits vorexerziert hatten: Dunkel-melancholische Songs mit einer unschlagbaren Hookline und einer eher desolaten Atmosphäre.

Das neue Album "Futureperfect" ist weit mehr als das: Alle bisherigen Vorbehalte gegen VNV Nation zurücksteckend, ist es zu einem konsequent dunklen, emotionalen Konzeptwerk geraten, dass man in dieser Form nicht zwangsläufig erwartet hätte....

Ronan Harris im Interview.

Entgegen seiner bekannten Attitüde wirkt er konzentriert, ernst und angespannt.
Ronan Harris will sich als Humanist betrachtet sehen - und ich nehme ihm dies ab.

Natürlich dreht sich das Gespräch zu Beginn um mein Weiber-Electro-Essay, in dem ich den Iren fälschlicherweise als "dicken Engländer im Taucheranzug" kolportierte, was diesen zu Kommentaren meiner Person bei Live-Auftritten veranlasste ( "Was kann man schon von jemanden erwarten, der aussieht wie Marc Almond, den man in die Mikrowelle gesperrt hat")....

Ronan Harris: "Humorvoller konnte ich es nicht formulieren. Ich bin Ire, wie Du inzwischen weißt. Und solchen Kommentare pflegen wir humorvoll zu begegnen. Ich weiß, dass Du sehr kritisch und ehrlich bist und das ist gut so. Ebenso weiß ich, dass VNV Nation nicht die beste Band der Welt ist!
Das, was mich wirklich geärgert hat, war, dass durch dieses Etikett 'Weiber Electro' zwar ein guter Witz kreiert, doch zugleich ein negatives Licht auf alle Bands geworfen wurde, die damit assoziiert werden. Für mich hat Musik zunächst einmal nichts Negatives an sich - und es durch so ein Etikett in eine bestimmte Ecke zu drängen, halte ich für etwas unglücklich."

Das Etikett "Future Pop" ist nicht gerade intelligenter....

Ronan Harris: " Aber nicht so negativ besetzt. Schau, wir beide haben ungefähr dasselbe Alter und wie Du fühle auch ich, dass EBM unserem Lebensgefühl und unserer Musik nicht mehr gerecht wird. Ich trage Einflüsse von den 70er bis zu den 90er Jahren in mir - und es macht keinen Sinn, den 18jährigen, aggressiven, emotionslosen Trendsetter zu spielen. Ich hatte einen Punkt erreicht, wo ich wieder meine Seele zeigen musste, mir die Frage stellte, wer ich überhaupt bin.
Je persönlicher die Musik, umso mehr Menschen erreicht man. So haben wir Fans aus der Gothic- und EBM-Szene - aber auch sehr konservative Menschen, die mit diesen Szenerien überhaupt nichts zu tun haben und VNV Nation in ihren Büros hören. Einfach, weil es ihr Gefühl widerspiegelte."

Ob "Futureperfect" dem Bild des beschwingten "Future Pop"-Genres entspricht, ist fraglich: Die desolate und desperate Stimmung des Werks hat kaum mehr etwas mit der teilweise oberflächlichen Partymusik der Vergangenheit zu tun, auch wenn auf dem neuen Album das Grundprinzip Hoffnung regiert...

Tatsache ist, dass es sich Ronan Harris hätte einfacher machen, auf Nummer Sicher gehen und noch 12 weitere "Solitary" hätte schreiben können....

Ronan Harris: "Komischerweise wurde uns das von einem Kritiker vorgeworfen. Ich könnte nie ein zweites 'Solitary' schreiben. Nicht, weil ich den Stil nicht kopieren könnte, sondern weil es eine Art Hymne ist, vor allem textlich, ebenso wie 'Standing'. Beide Songs sind eine Standortbeschreibung. Ironischerweise wurde 'Standing' als erster von den beiden Songs geschrieben und wirkt nun wie die Auflösung, die Fortsetzung von 'Solitary'.
Es fällt mir ehrlich gesagt schwer, zweimal dasselbe zu machen. Wenn mich andere Musiker um einen Remix bitten, wollen sie ein zweites 'Destillat' oder 'Hellraiser' - doch so einfach funktioniert das nicht. Diese Remixe sind aus dem Gefühl heraus geboren, entweder sie funktionieren auf einer emotionalen Basis, oder nicht.
So haben wir auf 'Futureperfect' zahlreiche alte Elemente verarbeitet, die mit der Szene heute kaum mehr etwas zu tun haben. Und es ist toll, dass dies in unserer Szene noch möglich ist und die Leute offen genug sind, auch an fremde Dinge herangeführt zu werden und so ihren Horizont zu erweitern.
Und genau das sollte elektronische Musik auch leisten: Ich bin in den 70er Jahren mit Bands wie Tangerine Dream aufgewachsen - und da gab es keine Begrenzungen, keine Strukturen, keine Szene."





Doch diese Freiheiten sind doch heute kaum mehr vorhanden, bzw. werden sich nicht mehr genommen. Was nicht zuletzt daran liegt, dass es heute immer weniger wirkliche Individuen gibt, die diese Schritte wagen...

Ronan Harris: "Ich wollte nie ein Führer einer Bewegung sein oder gar die Zukunft einer Szene sein. Alles was ich je wollte ist ein alternativer Künstler in dieser Szene zu sein.
Ich denke schon, dass es in den letzten Jahren viele Musiker gegeben hat, die ihr eigenes Profil entwickelt haben. Wumpscut ist für mich ein gutes Beispiel, Dive waren es ein paar Jahre davor. Das sind Musiker, die andere inspirierten und Zeichen setzten.
Was ich nicht mag ist, wenn ein Lebensgefühl zum Etikett wird.
In England hören sie immer noch all die alten Goth-Klassiker der 80er Jahre und akzeptieren nur Bands, die genauso klingen wie die frühen Helden. Gothic hatte für mich aber nie etwas mit einem bestimmten Sound zu tun - und ich hasste das Wort, als es etabliert wurde. Zwischen den meisten so genannten Goth-Bands gab es keine offensichtliche Verbindung. Erst retrospektiv wurden sie als eine 'Szene' gesehen."

Zurück zu "Futureperfect". Das Positivste, was man über das Album sagen kann ist, dass es keine vorgestanzten Erwartungen erfüllt...

Ronan Harris: "Sicher haben die meisten Fans ein zweites 'Empires' erwartet. Ich habe bislang viele enttäuschte Kommentare gehört und ebenso viele begeisterte Kritiken. Diejenigen, die nach neuen Klängen suchen, werden VNV Nation nicht hören, weil ihre Meinung zu dieser Band bereits gebildet ist. Sie haben vielleicht nur ein Album gehört und können nicht wissen, um was es bei uns geht.
Der rote Faden ist die emotionale Tiefe, die emotionale Vielfalt. Es wäre unglaublich langweilig gewesen ein zweites 'Empires' aufzunehmen, ebenso unmöglich ist es, uns komplett neu zu erfinden.
Dennoch legen wir auf die Meinung unserer Fans großen Wert. Wir haben unglaublich viel Zeit damit verbracht, in Newsgroups ihre Fragen zu beantworten und ihre Statements zu lesen. Dennoch mag ich das Wort 'Fan' nicht besonders, denn das hat mit Fanatismus zu tun. Ich mag Menschen, die unsere Musik hören und damit etwas anfangen können. Das ist wichtiger als eine blinde Gefolgschaft, der jede Objektivität abhanden gekommen ist. Darum denke ich auch, dass unsere Hörer mit 'Futureperfect' etwas anfangen können."



Dafür müssten sie sich auch der durchweg negativen, desolaten Grundstimmung des Albums öffnen...

Ronan Harris: "Es ist schon so, dass 'Futureperfect' als sehr melancholisch, negativ, herunterziehend und schwermütig empfunden wird. Doch das ist genau das, was ich erreichen wollte. Ich wollte ein Album mit dunklen, kalten Pop. Denn das reflektierte meine Gefühle zur Zeit der Aufnahme."

Dennoch transportiert "Futureperfect" keinen Nihilismus.
Schon in dem einem Manifest gleichenden, dreisprachigen Opener "Foreword" ermahnt Harris den geneigten Hörer, gemeinsam an einer besseren Welt und Zukunft zu arbeiten.
Was für ein Menschenbild hat er?

Ronan Harris: "Ein große Inspiration für das Album war meine Unzufriedenheit. Und wann immer ich mit etwas unzufrieden bin, will ich es ändern. Gerade in unserer Szene sind Nihilismus, Zynismus und die negative Sicht der Singe zu einem zur Lethargie führenden Klischee geworden. Meine Frage an den Hörer ist, ob sie wirklich todtraurig in ihren vier Wänden sitzen und auf das Ende der Welt warten wollen. Ich zumindest habe das nicht vor.
Mein Menschenbild ist positiv. Meine Vision ist, Hoffnung und Perspektiven zu geben. Wenn ich meine Fans richtig interpretiere, gebe ich ihnen gerade das! Und ist es dann falsch anzunehmen, dass man sie dazu bewegen könnte, etwas mehr über die Welt um sich herum nachzudenken und sich ihrer anzunehmen?
Natürlich kann ich nicht die Welt verändern, doch ich kann Menschen auf positive Art und Weise inspirieren, etwas Gutes zu tun, weniger egoistisch zu sein.
Alles andere wäre eine verpasste Chance. Ich finde es sehr schade, dass so viele Leute und Bands, die ein Sprachrohr haben, dies nicht zu nutzen wissen."

Hört sich sehr nach der weltverbessernden Attitüde der 70er Hippiegeneration an. Und die sind damals schon gescheitert...

Ronan Harris: " Doch Tugenden wie Zusammengehörigkeit, Familiensinn oder Höflichkeit sind Werte, nach denen gerade die Goth-Generation wieder strebt. Alles Werte, die uns im Laufe der Zivilisation immer mehr abhanden gekommen sind. Das Ergebnis ist, dass wir heute sehr unglückliche Menschen ohne Visionen, Enthusiasmus und Antrieb sind. Und das ist krank. Ich sage nicht, dass wir zurück gehen müssen, sondern vielmehr nach vorne sehen, um unsere Probleme zu begreifen und sie zu beseitigen. Und das formuliere ich auf einer sehr persönlichen Ebene, nicht auf einer globalen!"





In gewisser Hinsicht erinnert mich 'Futurepefect' an eine Forstsetzung von Aldos Huxley's "Brave New World", in der Harris die dort beschriebene Welt mit ihren eigenen Werkzeugen illustriert und zurück zu alten Werten mahnt...

Ronan Harris: " Huxley war ein Individuum, ein Visionär und Freidenker. Mit seinen Zukunftsvisionen hat der die Leute ebenfalls zum Nachdenken gebracht Es ist schon richtig, dass wir mit denselben Mitteln arbeiten wie er, doch wir befinden uns schon auf einem anderen Level. Ich sehe ihn in einer Reihe mit anderen intellektuellen Schreibern der 60er wie Henry Miller, William S. Burroughs oder Jack Kerouac. Ich habe diese Nachkriegsautoren nie besonders gemocht, denn sie haben, verständlich direkt nach dem 2. Weltkrieg, die Vergangenheit und ihre Werte komplett beiseite gewischt. Huxley glaubte, es gäbe keine Regeln mehr und die Zukunft würde ihm gehören. Also die typisch amerikanische Sicht, die Welt zu sehen. Und das ist der große Unterschied zwischen ihm und uns. Wir brauchen einen Katalysator, um Zukunftsvisionen zu formulieren. Darum fühle ich mich George Orwell näher, der den Kommunismus zum Anlass nahm,'1984' zu schreiben.
Doch bin ich kein Science-Fiction-Autor, sondern lediglich ein unzufriedener Geist. Mir reicht es zu sehen, dass die Menschen den Kopf in den Sand stecken und zu sehen, dass viele Menschen nur noch Konsumenten sind.
Vor allen Dingen die Leute, die sich für Intellektuelle halten, stehen nur noch in Clubs herum und tun gar nichts! Was für eine Verschwendung. Nimm Dich selbst: Dein Name ist eine Legende, viele Leute hören auf Dein Wort. Also nutze diese Position, um den Leuten neue Ideen zu vermitteln. Es geht nicht darum, zu predigen, sondern darum, neue Denkmodelle anzubieten."

Genau das versuche ich. Welche Modelle hat Harris anzubieten?

Ronan Harris: "Es sind oft die kleinen Dinge. Ich bin schon sehr zufrieden, wenn ich merke, dass die Leute begreifen, um was es mir geht. Wenn ich ihnen ein positives Gefühl vermitteln oder Menschen zusammenführen kann. Es geht darum, ein positives Gefühl zu vermitteln, ohne dabei oberflächlich zu sein. Das mag sich simpel anhören, ist es aber nicht.
Viele Menschen denken, dass man mit Geld gesellschaftliche Probleme lösen kann, dass man lediglich Strukturen und gute Arbeitsmöglichkeiten schaffen muss, um die Menschen zufrieden zu machen. Doch solange sich der Mensch nicht gut fühlt und keinen Enthusiasmus für seine Tätigkeit entwickelt, wird er weder für sich noch für seinen Arbeitgeber viel erreichen.
Dieses positive Gefühl versuche ich durch Fragen zu erreichen. Wenn du unsere Texte liest, dann wirst du viele Fragezeichen entdecken. Es sind psychologische Einladungen, sich über die Dinge Gedanken zu machen."





Diese Anstöße werden auch ironisch vermittelt, wie in "Fearless" das ausschließlich aus "Think Positive"-Durchhalteparolen besteht....

Ronan Harris: " Als ich 'Fearless' schrieb, machte ich gerade eine sehr schlimme Phase durch. Für mich war es eine Art Selbsttherapie, zugegebenermaßen eine sehr zynische. Ich denke, dass diese 'Think Positive'-Methode durchaus Sinn macht und die Worte genug Kraft besitzen, um dich wieder nach vorne zu bringen. Doch zu diesem Zeitpunkt war ich sehr verbittert. In 'Fearless' geht es aber auch um einen falschen Positivismus, um Freunde, die ständig beteuern, wie toll es ihnen doch geht, während du siehst, dass ihr Leben wie ein Kartenhaus zusammenbricht."

Optimismus und Pessimismus scheinen auf "Futureperfect" ohnehin sehr stark verknüpft, manchmal untrennbar zu sein. Ein scheinbarer Widerspruch, der sich dann auflöst, wenn Harris die globale Ebene verlässt und in sehr persönlichen Songs wie "Beloved"eine unglückliche Liebschaft verarbeitet.

Ronan Harris: "Vollkommen richtig. In jedem Mikrokosmos gibt es einen weiteren Mikrokosmos. Konflikte mit dir selbst sind der Schlüssel zu globalen Konflikten. Es geht darum, dich so zu akzeptieren, wie du bist. Es gibt Leute, die auf einer Party betrunken auf dem Tisch tanzen und sich am nächsten Tag damit entschuldigen, dass 'sie gar nicht sie selbst' gewesen sind. Natürlich waren sie es! Es ist ein Teil ihrer Persönlichkeit, mit dem sie lernen müssen, umzugehen."

Wenn das Zusammenspiel zwischen Mann und Frau in einer Beziehung schon nicht funktioniert, wie soll es dann auf einem globalen Level harmonieren?

Ronan Harris: " Da fragst du gerade den Richtigen... Ich denke, dass sich Frauen in den letzten 30 Jahren sehr verändert haben, aggressiver geworden sind. Ich habe in Firmen gearbeitet, die zu 95% aus Frauen und welche, die zu 95% aus Männern bestehen. Ich möchte nie wieder in einer Firma mit so vielen Frauen arbeiten, denn sie zerfleischen sich gegenseitig.
Doch ich denke, dass sich Frauen und Männer ähnlicher sind, als sie glauben. Sicher, wir haben verschiedene Ansichten und Bedürfnisse, doch wenn es um elementare Werte geht, dann kommen wir zwangsläufig zusammen. Selbst wenn man sich trennt. Darum geht es auch in 'Beloved'. Es ist eigentlich kein Liebeslied, sondern es geht darum, dass ich Frieden mit meinem Liebesschmerz schließe. Es geht darum, nicht das zu betrauern, was man verloren, sondern um das, was man aus dieser Beziehung gewonnen hat. Nicht umsonst folgt diesem Song das Finale 'Airships', in dem es darum geht, die Welt wieder neu für sich zu entdecken..."

Doch bis zu diesem Schritt schien Harris ein rechtes Jammertal durchschritten zu haben. Vor allem das klassisch infiltrierte Instrumental "Liebestod" deutet darauf hin - das mit Abstand untypischste Stück des Albums...

Ronan Harris: "Ich liebe klassische Musik. Auch in 'Foreword' haben wie Edgar Elgar's 'Nimrod' verwendet. Was mich an klassischer Musik stört ist, dass sie nur in niedergeschriebener Form ernst genommen und akzeptiert wird. Sie ist somit zwangsweise sehr strukturiert und kann nicht so impulsiv funktionieren wie Blues oder Rock. Keine Freeform also. Dennoch ist die Klassiker technisch ausgereifter als jede andere Musik. 'Liebestod' ist einer meiner Lieblingsstücke, der eben durch simple Improvisation entstanden ist. Zu dem Titel ließ ich mich von Wagners 'Liebestod' aus 'Tristan und Isolde' inspirieren. Ich mochte das Wort, zu dem es kein adäquates Pendant in der englischen Sprache gibt.
Ich denke nicht, dass 'Liebestod' aus dem Rahmen fällt. Ich mag keine Alben, auf denen sich jedes Stück wie eine andere Band anhört. Ich mag den Fluss, ein einendes Gefühl. Das einzige Stück, das wirklich untypisch für VNV Nation ist, ist 'Structure'. Es ist harte Elektronik, dennoch eine Hymne..."

Kommen wir zur letzten Frage. Wie ich inzwischen lernen musste, ist Ronan Harris, kein Engländer, sondern Ire. In wieweit hat ihn die Tradition seines Landes beeinflusst? Fühlen sich VNV Nation überhaupt einer Tradition verpflichtet?

Ronan Harris: "Als ich in den 70er Jahren in Irland aufwuchs, wurde das irische Radio von Hippies regiert. So bekam ich schon früh Kontakt zur elektronischen Avantgarde jener Zeit. Natürlich war ich großer Fan von Tangerine Dream, Vangelis und Kraftwerk - und es ist ein großer Jammer, dass die heutigen Kids diese Bands kaum mehr kennen. Als ich die Tournee mit Covenant beendet hatte, saß ich im Tourbus und es lief 'Trans Europa Express' - und ein zwanzigjähriges Fan fragte allen Ernstes, was für ein Covenant-Song das sei!
Ich höre nicht nur elektronische Musik. Eine meiner Lieblingsbands wird immer Joy Division sein. Nicht, weil es brillante Musiker waren, sondern weil sie ein einzigartiges Gefühl vermittelten.
Ich weiß nicht, ob ich ein typischer Ire bin. Natürlich hat die traditionelle Musik einen hohen Stellenwert - und es ist ein Jammer, dass dieser Aspekt aufgrund des Krieges in Deutschland kaum vorhanden ist.
Was ich an der keltischen Folklore mag, ist die Tatsache, dass der Gesang sehr expressiv, sehr beseelt ist. Und dieses Element ist mit Sicherheit ein großer Einfluss bei VNV Nation."







Dieser Artikel stammt von Grenzwellen
http://www.grenzwellen.de/gw_redaktion

Die URL fr diesen Artikel ist:
http://www.grenzwellen.de/gw_redaktion/article.php?storyid=33