Fad Gadget

Datum 28.01.2002 11:57 | Thema: Interviews

Fad Gadget



Frank Tovey ist am 3. April 2002 an Herzversagen gestorben.
Ich verneige mich vor einem großen Musiker und warmherzigen Menschen!
Ecki Stieg, 4. April 2002


It is with great sadness that I have tell you that Frank Tovey has died.

Frank was the first artist I ever worked with on Mute , he made some very special and influential records and was an exceptional live performer.
Frank played a big part in helping to lay the foundations of what the label was to become in the ensuing years, I will miss him greatly.

My deepest sympathy and condolences go out to his family.
Daniel Miller, Mute Records, 4. April 2002



Der Lebenslauf einer Legende:

Von 1980 bis 1984 war Fad Gadget das Alter Ego des britischen Sängers und Instrumentalisten Frank Tovey.
In den späten 70er Jahren studierte Frank Tovey zunächst Schauspielerei auf dem Leeds Art College, bevor er nach London übersiedelte.

Mit einem Drumcomputer und elektrischen Piano begann Tovey, Songs zu produzieren, die 1979 auch zum Kontakt zu Daniel Miller führten.

Daniel Miller ? heute Chef des renommierten Mute-Labels ? verpflichtete Frank Tovey alias Fad Gadget als ersten Act auf dem seinerzeit neu gegründeten Label.

Bereits die erste Fad Gadget Single ?Back To Nature? war ein Erfolg: Eingespielt fast ausschließlich mit synthetischem Equipment, war der Song dennoch weit entfernt von der damals bewußt Entfremdung und Kälte signalisierenden Elektronik, wie sie von Kollegen wie Gary Numan oder Human League produziert wurde, zudem waren die elektronischen Instrumente für Frank Tovey nie ein Fetisch, sondern lediglich ein nützliches Werkzeug.





Dennoch schrieb Tovey auch mit der nachfolgenden, weitaus prägnanteren Single ?Ricky?s Hand? ein Stück elektronischer Musikgeschichte. Hier kam erstmals Tovey schwarzer, oftmals zynischer Humor zum Vorschein, der sich wie ein roter Faden durch sämtliche Fad Gadget-Werke zog.

Das 80er Debüt-Album ?Fireside Favourites? liest sich retrospektiv wie ein All-Star-Meeting: Neben Tovey wirkten auf ihm noch der Produzent John Fryer, Eric Radcliffle und nicht zuletzt Mute-Boss Daniel Miller selbst als Keyboarder mit. Schon auf diesem Album macht Tovey deutlich, dass er ein Popmusiker ist, der mit erzählerischen Können und lyrischer Distanz die eher dunklen Thematiken bevorzugte, zugleich war er neben Human League und Gary Numan einer der ersten britischen Elektroniker, der die neue Technologie in einen zeitgemäßen Popkontext einfügte, auch wenn er sich in seiner Attitüde deutlich auf Vorbilder wie Iggy Pop in der "Berlin"-Phase bezog (die Parallelen zu Pop's "The Idiot"-Album sind unüberhörbar...!)

Dennoch scherte sich Frank Tovey wenig um modische Genre-Diktate: Das 81er Album ?Incontinent? überzeugte mit dem dunkel-bizarren, im Walzer-Takt gehaltenen ?Saturday Night Special?, das Album war zudem weitaus persönlicher und düsterer als der Vorgänger.

Obwohl die Alben von der Kritik hoch gelobt wurden und Fad Gadget oft als Paradebeispiel für innovativen britischen Elektropop herhalten musste, blieb der große kommerzielle Durchbruch aus.
Berühmt und berüchtigt waren allerdings die Liveauftritte Fad Gadget's, bei denen sich der privat eher scheue, introvertierte Frank Tovey als ein mit Make-Up und mit Farbe und Federn gespickter animalischer Derwisch entpuppte.





Der kreative Klimax von Frank Tovey?s Schaffen als Fad Gadget ist zweifellos auf dem 82er Album ?Under The Flag? festgehalten, das mit ?Love Parasite?, ?For Whom The Bells Toll? und nicht zuletzt dem Titelstück drei hypnotische, repetive Tracks enthielt, die im Kontext von zeitgleich emporstrebenden, artverwandten Bands wie Soft Cell oder Depeche Mode standen, darüber hinaus konnte das Album mit Balladen wie dem sehr intimen ?Cypher? überzeugen. Zudem wirkte die damals von völlig unbekannte Alison Moyet als Gastsängerin und Saxophonistin mit. Für Frank Tovey, der in den Songs die Geburt seines ersten Kindes und die Geschehnisse des Falkland-Krieges verarbeitete, war ?Under The Flag? das bisher direkteste und persönlichste Werk.

Das finale Fad Gadget-Album ?Gag? erschien 1984. Obwohl das Songmaterial weniger überzeugte, bestach das Werk durch unkonventionelle Arrangements und Ideen. Vor allem das durch Tovey?s Aufenthalt in Berlin von den Einstürzenden Neubauten inspirierte ?Collpasing New People? verblüffte durch ungewöhnliche Samples (Flaschen und Metalle) und schaffte es, die avantgardistischen Vorlagen der Neubauten in einen tanzbaren Popkontext zu pressen.

Nach ?Gag? schloss Frank Tovey das Kapitel Fad Gadget und veröffentlicht seine Werke seitdem unter seinem bürgerlichen Namen.

Nachdem er 1985 mit Boyd Rice (NON) das Experimentalalbum ?Easy Listening For The Hard Of Hearing? aufgenommen hatte, folgte noch im selben Jahr ?Snakes & Ladders?. Obwohl dieses Album, wie auch die darauf enthaltene Single ?Luxury? größtenteils noch elektronisch instrumentiert waren, konnte man hier bereits eine Tendenz zu traditionellen Songs erkennen.

Noch deutlicher wurden diese Vorlieben auf ?Civilian?, ein Album, das mit ?Bridge Street Shuffle? eine ironische, autobiographische Ode an Tovey?s Heimatstadt London enthielt ? und die, wie auch der Rest des Albums, wie eine bizarre, elektrisierte Version der Pogues erinnert.

Der komplette Stilwechsel erfolgte aber erst mit dem 89er Album ?Tyranny And The Hired Hand?, auf der Tovey ganz auf elektronische Instrumentierung verzichtete und auf der sich ausschließlich akustisch instrumentierte Folk-Traditionals sowie Songs von Bob Dylan (?North Country Blues?), Lou Reed (?Men Of Good Fortune?) oder Woody Githrie (?Pastures Of Plenty?) befanden. Trotz des großen Stilbruchs sah Frank Tovey in dem Album durchaus eine Rückkehr zu seinen Fad Gadget-Wurzeln und zu dem früher praktizierten Minimalismus, denn sämtliche Songs von ?Tyranny And The Hired Hand? bestanden aus kaum mehr als drei Gitarrenakkorden..!

Dem nun eingeschlagenen Weg blieb Frank Tovey auch mit dem 91er Album ?Grand Union? treu, das er mit seiner neuen Band ?The Pyros? einspielte, die aus den irischen Musikern Paul Rodden, Laurence Doherty und John Cutliffe bestand.

?Grand Union? geriet weitaus rockiger und abwechslungsreicher als das spartanisch eingespielte ?Tyrany And The Hired Hand?, doch auch hier standen Instrumente wie Banjos und die Wurzeln der irischen und britischen Folklore im Vordergrund.

Zudem war Frank Tovey zu einem episch erzählenden, sozial engagierten Songwriter gereift, dessen Texte in Quantität und Aussage mit denen seiner Vorbilder Woody Guthrie oder Bob Dylan zu vergleichen sind.

1992 erschien das bislang letzte Frank Tovey-Album ?Worried Men In Second Hand Suits?, das wiederum mit den Pyros und ?Live?-Bedingungen im Studio eingespielt wurde.

Danach - lange Zeit Stille...

Ich treffe Frank Tovey am 25. Januar 2002 Backstage im PC 69 in Bielefeld - fast 20 Jahre nach unserem ersten Interview...

Das neue Best-Of-Album ist erschienen - und nach dem Fad Gadget-Revival im Rahmen der Depeche Mode-Tournee Anfang des Jahres stehen nun einige wenige, erlesene Clubauftritte auf dem Programm.

Rein äußerlich hat sich Tovey in den letzten 20 Jahren kaum verändert. Und im Gegensatz zu dem an Iggy Pop gemahnenden Derwisch auf der Bühne ist Tovey privat immer noch ein extrem zurückhaltender, zuvorkommender und reflektierender Gesprächspartner...





Nachdem sich Tovey auf seinen akustisch instrumentierten Folk-Alben so weit wie möglich von dem Fad Gadget-Sound der 80er Jahre entfernt hatte, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass er dieses Alter Ego noch einmal wieder belebt...

Frank Tovey: "Nach dem 92er Album 'Worried Men In Second Hand Suits' habe ich eine ganze Weile überhaupt keine Musik gemacht. Ich habe erst damit angefangen, als ich das Album der Rockband Temple X produzierte. Obwohl das eine reine Gitarrenband ist, habe ich ihr Album mit dem Computer produziert und gemixt - und es wurde zusehends elektronischer. Das war für mich der Moment, in dem ich wieder anfing, mich für Synthesizer und elektronische Klänge zu interessieren. Das Schlüsselerlebnis war, als mich Temple X vor mehr als einem Jahr fragten, ob ich sie auf der Bühne unterstützen wolle. Diese Auftritte waren sehr inspirierend - und so entschloss ich mich, wieder als Solist aufzutreten und wieder elektronische Musik zu machen. Für diese Art von Musik ist mein Alter Ego Fad Gadget immer noch am besten geeignet..."

Back to Nature - the other way round?

Frank Tovey: "Für mich war es kein so großer Schritt. Für mich sind es in erster Linie die Songs, die wichtig sind. Und da ist es egal, ob ich sie zu einem Banjo oder einem Synthesizer singe. Meine Vorlieben sind sowieso sehr divergent, ich höre von Jazz über Folk, Country & Western bis hin zu Rock-Musik fast alles."

Hat Tovey keine Probleme damit, dass man ihm nun eine nostalgische Attitüde, gar eine anachronistische Retro-Haltung unterstellt...?

Frank Tovey: "In gewisser Hinsicht schließt sich der Kreis. Aus heutiger Sicht betrachtet, war es eigentlich ganz gut, dass ich mich jahrelang mit anderen Stilen beschäftigt habe, bevor ich mich wieder der Elektronik zuwandte. Derzeit arbeite ich an einem neuen Album, auf dem alle erprobten Stile zu finden sein werden. Es kann gut sein, dass darauf elektronisch instrumentierte Folk-Songs zu hören sind, wer weiß..."

Frank Tovey's Comeback als Fad Gadget wurde im Vorprogramm der letztjährigen Depeche Mode-Tournee eingeleitet.
Abgesehen von der Tatsache, dass Depeche Mode ihre ersten Meriten in den 80er Jahren beim Support für Tovey einheimsten, sah sich Tovey bei den Reunion-Auftritten mit einem Publikum konfrontiert, denen der Name Fad Gadget kaum etwas sagt.
Eine Herausforderung?

Frank Tovey: "Definitiv. Schon als ich meine erste Shows ohne Depeche Mode vor einem Jahr absolvierte, hatte ich befürchtet, dass nur alte, höflich applaudierende Fans zu meinen Auftritten kommen würden. Ich war überrascht, dass so viele 18 und 19jährige Gothic-Kids da waren, die auch noch jede Songzeile mitsingen konnten."

Fühlte er sich im Vorprogramm von Depeche Mode deplaziert?

Frank Tovey: "Nein, warum?"

Weil es vor 20 Jahren noch genau anders herum war und weil Depeche Mode angeblich die metallenen Sounds seines Hits "Collapsing New People" für ihren Song "Master & Servant" geklaut haben...

Frank Tovey: "Das ist eine dieser Medienlegenden, die definitiv nicht wahr sind. Ich war entsetzt, als Blixa Bargeld in der Dokumentation 'Pop 2000' diesem Gerücht noch neue Nahrung gab. Es stimmt schlicht und einfach nicht. Wir haben damals alle mit metallenen Sounds und gesampelten Alltagsgegenständen gearbeitet. Depeche Mode sind kreativ genug und müssen nichts von anderen Musikern stehlen. Sie haben alle Samples selbst gemacht."

Als Tovey begann, galten Synthesizer-Klänge noch als avantgardistisch, kalt und futuristisch. Im digitalen Zeitalter dagegen fühlen sich diese Sounds eher warm und vertraut an. Der Synthesizer-Sound der frühen 80er ist heute ästhetisch definiert - und oft kopiert...! Was war zuerst da, die ästhetische Vision oder die Technologie?

Frank Tovey: "Als ich anfing, war die Technologie noch so unausgereift, dass man zwangsläufig experimentieren und suchen musste. Also war die ästhetische Vision wichtiger als die Technologie. Als ich 'Ricky's Hand' mit Daniel Miller aufnahm, konnten wir nur maximal drei kleine Sequenzen in unseren Computer einspeisen, was bedeutete, dass wir das meiste manuell einspielen mussten. Wir haben also versucht, maschinell zu klingen, ohne dass die Maschinen diese Arbeit wirklich leisten konnten! Ein sehr großer Unterschied zur heutigen Situation.
Die Mehrzahl der heutigen Musiker versucht, mit Maschinen natürliche Klänge zu imitieren. Mir hat das nie gefallen, denn dafür sind ja die akustischen Instrumente da. Doch die Maschinen haben eine ganz eigene Faszination und Eigenleben. Direkt nach der Schule arbeitete ich in einer Fabrik. Das Geräusch der aufeinander krachenden Metalle hat mich damals sehr stimuliert. Und mit dem Synthesizer wollte ich diese Geräusche imitieren...!"


Tovey's derzeitiger Comeback-Erfolg als Fad Gadget hat zweifellos auch mir der Tatsache zu tun, dass die alten analog arbeitenden Popstars der frühen 80er wieder sehr en vogue sind, man bedenke nur einmal das Revival von Human League.

Doch Fad Gadget war schon in den 80er Jahren nie modisch, nie wirklich hip...

Frank Tovey: "Ich wurde immer mit anderen Synthesizer-Bands verglichen, doch diese Vergleiche haben schon damals nicht gepasst. Wäre ich Gitarrist, würde ich mit niemanden verglichen werden. U 2 werden ja auch nicht mit Bon Jovi verglichen, nur weil es beides Gitarren-Bands sind. Damals fehlten halt noch die Parameter und Vergleichsmöglichkeiten - so war man mit Querverbindungen zu Human League, Gary Numan oder gar Kraftwerk schnell zur Hand. Doch meine Ideen und meine Musik habe ich nie in einer Reihe mit diesen Musikern gesehen - vor allem, was die Texte betrifft.
So viele sprechen heute von einem '80er Revival' - doch ich kann beim besten Willen nicht erkennen, was da wiederbelebt werden soll. Ich hatte mit all diesen Bands schon vor 20 Jahren nicht zu tun. Was sollte ich also heute mit denen gemeinsam haben, außer der Tatsache, dass sie zur selben Zeit begannen, wie ich? Ich fühle mich keiner bestimmten Epoche oder Periode zugehörig."

Sind es die Texte, die ihn von anderen Musikern unterscheiden? Was zeichnete Fad Gadget in den 80er Jahren besonders aus?

Frank Tovey: "Ich bin wohl der letzte, der das objektiv beurteilen kann. Textlich gibt es allerdings schon einen gravierenden Unterschied. Während Musiker wie Gary Numan, Human League oder Ultravox! von gesellschaftlicher Kälte und Entfremdung sangen, handelten meine Songs von Intimität, Sexualität und Beziehungen - obwohl ich keinen definierten Stil besaß. Jeder Song war für mich ein Experiment, jedes Fad Gadget Album unterschied sich massiv von dem Vorgänger. Es wäre für mich leicht gewesen, noch ungefähr 20 Songs im Stil von 'Ricky's Hand' zu schreiben. Wahrscheinlich wäre ich kommerziell erfolgreicher gewesen...!"

Welches Fad Gadget-Album ist für ihn heute noch der Favorit?

Frank Tovey: "Definitiv 'Under The Flag', denn es funktioniert als eine Einheit, als ein in sich geschlossenes, stimmiges Werk. Textlich das gelungenste und persönlichste Album ist für mich 'Worried Men In Second Hand Suits. "





Als Frank Tovey in den 80er Jahren als elektronischer Musiker begann, war er ein Pionier.
Heute hingegen besteht 95% aller Popmusik aus Elektronik. Wie fühlt sich Tovey alias Fad Gadget in diesem "neuen Umfeld"?

Frank Tovey: "Für mich war der Synthesizer nie ein so großes Mysterium wie für andere Musiker. Im Gegenteil: Als ich mit der Folkmusik begann, war das für mich ein weitaus fremdere Welt und größere Herausforderung.
Als ich in den 80er Jahren begann, kannte ich kaum elektronische Musiker, außer Kraftwerk vielleicht. Ich habe dieses Instrument nur gewählt, weil es etwas Neues war. Viele ehemalige Punk-Musiker hatten den Synthesizer schon für sich entdeckt, denn er deckte sich mit der Attitüde des Punk, von dem ich ja kam. Man musste kein Virtuose sein, um dieses Instrument zu spielen. Die ersten Synthesizer waren ja monophonische Instrumente, die man nur mit einem Finger spielen konnte."

Dennoch war Frank Tovey der erste Musiker, der von Daniel Miller und seinem heute höchst renommierten Label Mute unter Vertrag genommen wurde.

Frank Tovey: "Das ist richtig. Ich hatte damals schon ein Demo-Tape eingespielt - und ein Freund von Daniel Miller empfahl mir, mich mit ihm zu treffen. Ich traf ihn dann auch bei einem Konzert der Band Monochrome Set, war aber viel zu betrunken, um mit ihm auch nur ein vernünftiges Wort zu wechseln. Wir haben uns dann später verabredet. Er war von meinem Tape begeistert und fragte mich, warum ich keine Platte veröffentlichen wolle. Ich war damals nicht daran interessiert, hatte keine Lust, mich um geschäftliche Dinge zu kümmern und ließ mich dann doch von Daniel Miller überreden, der damals gerade 'Warm Leatherette' unter dem Pseudonym The Normal veröffentlicht hatte. So gründete Daniel Miller das Label Mute, ich war sein erster Künstler und 'Back To Nature' meine erste Single..."





Warum dann aber der Schwenk zu den Folk-Alben nach vier doch sehr erfolgreichen Werken als Fad Gadget? War das nicht auch ein kommerzieller Selbstmord?

Frank Tovey: "Das war ein Selbstmord. Und eine große Irritation, denn ich saß zwischen allen Stühlen. Die Folk-Musiker haben mich nicht ernst genommen - und meine alten Fans konnten nicht nachvollziehen, was ich da tat. An die finanziellen Aspekte habe ich zu jener Zeit überhaupt nicht gedacht, es war ganz einfach die Musik, die mich damals faszinierte, vielleicht auch als Ausgleich zu dem ganzen elektronischen Kram.
Glücklicherweise habe ich ein Label, das mir völlig freie Hand lässt. Daniel Miller hat mir nicht ein einziges Mal hineingeredet."

Was würde Tovey als den roten Faden in seiner Musik bezeichnen?

Frank Tovey: "Meinen schlechten Gesang. Ich habe nicht sehr viele Variationsmöglichkeiten. Doch letztendlich sind auch Lou Reed oder Bob Dylan miserable Sänger...!"

Wie fühlt sich Fad Gadget im neuen Jahrtausend an?

Frank Tovey: "Wie schon gesagt, ich habe mich nie einer bestimmten Epoche zugehörig gefühlt, aber es hat sich schon eine ganze Menge verändert.
Ich denke, dass Fad Gadget auch im neuen Jahrtausend eine Existenzberechtigung hat, auch wenn es heute zuviel schlechte Musik gibt und es heute zu einfach ist, ein Album zu produzieren.
Zudem ist es nicht sehr spannend, mitzuerleben, wie mittelmäßige DJs den Mark erobern und besser bezahlt werden, als Musiker. Noch schlimmer ist es, wenn diese DJs Platten veröffentlichen, auf denen sie lediglich die Klänge anderer Künstler kopieren.. Es gibt leider kaum mehr wirkliche Originale.
Popmusik hat ihre subversive, rebellierende Kraft endgültig verloren. Die Musik-Industrie ist heute das Establishment, gegen das sie sich früher auflehnte.
Wenn heutige Popmusiker Tony Blair die Hand schütteln, ist dieses Geschäft für mich nur noch ein verlogener Supermarkt. Es gibt heute kaum noch wirklich alternative Künstler. Die so genannte 'alternative Musik' ist dieselbe Scheiße wie die Musik in den Charts. Es ist Tanzmusik ohne Inhalt, niemand hat mehr etwas zu sagen. Mit visionärer Jugendkultur hat das nichts mehr zu tun. Rockmusik hat ihre Midlife-Crisis erreicht."









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