Access Denied

Datum 25.05.2000 14:22 | Thema: Interviews

Access Denied



Was tun, wenn man nichts zu sagen hat, aber unendlich viele Möglichkeiten, dies auszudrücken?
Acesss Denied stehen symptomatisch für eine ganze Generation von neuen elektronischen Bands, die ein ganz Arsenal von , zumindest technischen, Veräußerungsmöglichkeiten vorfinden, ohne Wut und Vision empfinden und formulieren zu können, ohne die Kraft, das vorhandene Instrumentarium derart zu kanalisieren, dass zumindest der Anschein der Innovation gewahrt bleibt.





?A Love Unfulfilled?, das Debut von Access Denied, ist ein Replik diverser, zur Genüge vorexerzierter Stile und Schemata, das so ziemlich alle Klischees beinhaltet, die das Synthipop ? und Crossover-Genre der letzten 5 Jahre zu bieten hatte.
Das Argument, dass es sich hier schließlich um ?hoffnungsvolle Newcomer, der noch seinen Weg finden wird? handelt, scheint angesichts der Schwemme ähnlich gearteter, gesichtsloser Produktionen kaum mehr zu greifen.
?A Love Unfulfilled? ist ein krudes Sammelsurium des bisher erarbeiteten Weges, der 1993 begann.
Christian Schulz und Oliver Thielke sind in der Synti/EBM-Tradition der 80er Jahre großgeworden, Gitarrist Markus Aschenbrenner kam erst später hinzu und sorgte für den nötigen ?Crossover-Flair?. Dementsprechend werden auf dem Debut diverse Einflüsse und Vorlieben zitiert, ohne sie wirklich zu einen.

Oliver: ?Musikalisch haben wir uns mit dem Markus auf einer Ebene getroffen, die in Richtung Krupps oder Nine Inch Nails geht. Natürlich wollen wir nichts imitieren, sondern eine eigene Richtung verfolgen?

Natürlich! Es mag kaum verwundern, dass die Umsetzung ebenso revolutionär und neu klingt, wie sich diese Zeilen lesen...! Zum Glück relativiert Oliver gleich im nächsten Satz....

Oliver: ?Wir sind noch ziemlich in der Entwicklung. Vor ein paar Jahren gab es mal ein Tape von uns, das noch sehr wavig und ohne Gitarre war, mit dem wir uns nicht mehr so richtig identifizieren können.?

Ob er sich mit dem Debut in Gänze identifizieren mag, kann Oliver nicht mit 100%iger Sicherheit bestätigen, dafür ist ?A Love Unfulfilled? wohl auch zu divergent, uneinheitlich und letztendlich eine Dokumentation verschiedener Enzwicklungsstufen. Obwohl man sich gewünscht hätte, dass Access Denied vornehmlich an den ausgearbeiteteren Strukturen ihrer späten Kompositionen ansetzen, anstatt antiquiert wirkende Songs der frühren Bandgeschichte zu reaktivieren, gibt es mit Tracks wie ?Venus? oder ?Burning Bridges? zwei qualitativ herausragende Beispiele, in denen Persönlichkeit, Atmosphäre und vage künstlerische Reife zumindest ansatzweise dokumentiert werden...

Oliver: ?Songwriterisch (sic!) ist ?Burning Bridges? unser bisheriger Höhepunkt, weil hier die Entwicklungen irgendwo in einem Song zusammengeflossen sind. Es taucht irgendwo von allem was auf ? und damit sind wir sehr zufrieden, eine runde Sache eben!?

Ebenso präzise wie diese schonungslose, einem Psychogramm gleichende Selbstanalyse sind auch die nach altbackenen Szeneschemata programmierten Songs, die zudem von Axel K. , seines Zeichens Musikus bei Silke Bischoff und Elesde, produziert wurden. Obwohl sein Einfluss, wie Oliver zugibt, eher marginal gewesen ist...

Oliver: ?Wir sind im Endeffekt sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit, zumal es auch menschlich mit dem Axel sehr gut funktioniert hat. Andere Produzenten, die wir vorher bemüht hatten, sind mit uns nicht klar gekommen, vor allen Dingen nicht mit der Gitarre und unseren Ideen, die Gitarre einzusetzen. Axel hingegen war sehr offen dafür. Ich kann nicht behaupten, früher sehr viel Silke Bischoff gehört zu haben, aber man spürt schon, dass die Silke Bischoff-Songs sehr feinfühlig produziert wurden ? und diese Tradition hat Axel bei uns weitergeführt! Doch songwriterisch (!) hat er keinen Einfluss genommen, höchstens auf ein paar Sounds?

Ebenso wenig charismatisch und greifbar wie der musikalische Inhalt sind auch die, trotz der teilweise beeindruckenden epischen Länge, mit dem Langenscheidt in der Hand zusammengeklaubten, gängige Plattitüden aufgreifenden Texte, die sowohl Anglisten als auch Lyriker mit bescheidenen Anspruch nachhaltig erschaudern lassen: ? ?I am not what you call a born hero/I would call myself a born zero/My parents think that I am even worse/Some might say I?m nothing but a curse?.... (Self-Destructive)

Oliver: ?Ich persönlich habe das Bestreben, etwas auszudrücken. Die Entwicklung zum Text kam dann auch von mir. Ich habe immer das Bestreben, etwas Konkretes auszudrücken. Ich habe mir die Themen nicht herausgepickt, es hat sich in die Richtung entwickelt, dass ich soziologische Zusammenhänge beschreiben will und diese analysiere. Von daher sind die Texte im ganzen Gefüge sehr wichtig!?

Schön, dass dies noch einmal unterstrichen wurde, sonst wäre mir die auch grammatikalisch auf einer Metaebene angesiedelte Message solcher Zeilen wie ?Joint me to please me/leave me to frighten me/kill me, just release me/so noone gets a sight of me? wohl für immer verborgen geblieben.

Um den Sarkasmus zumindest ein Stückweit zurückzunehmen: ?A Love Unfulfilled? ist keine Katastrophe im eigentlichen Sinn. Es ist weder ein gutes, noch ein schlechtes Album. Es ist das, was man gemeinhin Mittelmaß nennt, was aber letztendlich das Vernichtendste ist, was man über Kunst, die im Grunde positiv oder negativ beseelt sein sollte, sagen kann. ?A Love Unfulfilled? ist seelenlos, programmatisch, trotz zahlreicher positiver Ansätze schlichtweg zu verfrüht, da der künstlerische Druck, sich selbst oder elementare Aspekte zu veräußern, einfach nicht groß genug ist. Trotz aller vermeintlichen Ambitionen ein sattes, sich selbst genügendes Debut, dem Seele, Leidenschaft und Schmerz fehlt und wahre Emotionen noch nicht einmal in Frage stellt.
?A Love Unfulfilled??

Oliver: ?In ?Venus? wird es deutlich. Die Aussage ist, dass die Zuneigung im Leben untergeht und unerfüllt bleibt. Der Titel des Album bezieht sich übrigens auf einen sehr alten Song von uns. Du hast recht, die Songs auf dem Album sind sehr unterschiedlich, auch teilweise sehr opulent produziert, und zwar in einem Maße, dass Axel bei der Aufnahme große Probleme hatte, alles unterzubringen. In Zukunft wollen wir uns etwas mehr zurücknehmen, minimalistischer werden, klarere Ausdrucksformen zu finden und mit weniger auszukommen.?

Viel Glück!






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